Beschäftigungstherapien für ein leeres Leben
Irgendwas muss man ja machen in den unabsehbar zahlreichen Stunden zwischen Geburt und Tod. Fußball zum Beispiel wäre in Deutschland 06 eine nahe liegende Lösung. Spielen oder gucken, egal. Tennis gegen die Wurfmaschine ließ Christiane Pohle vor fünf Jahren ihre Protagonisten in Maxim Gorkis «Sommergäste» auf Kampnagel spielen, hin und her, ein erfülltes Dasein. Dessen Fehlen ist es, dass Gorkis vorrevolutionäre, zu einigem Wohlstand aufgestiegene Mittelbürger ausdauernd beklagen: nichts zu tun, jedenfalls nichts Sinnvolles.
Also flirten sie ein wenig, betrügen einander ein bisschen, verachten und verlieben und beschweren sich: ganz wie wir, ihre hundert Jahre später nachgeborenen Zeitgenossen. Auf diese unsterbliche Aktualität und seine Schauspieler setzte Jürgen Goschs Düsseldorfer Inszenierung vor zwei Jahren, die fast ganz ohne Accessoires auskam – der Gegenentwurf zur Methode Ballwechsel.
Aus den Tiefen der Requisitenkammer
Am Hamburger Thalia Theater fehlt Alize Zandwijk dieses Vertrauen in den Text und ihr beachtliches Ensemble. Sie greift tief in die Requisitenkammer und in den Kostümfundus, um sehr bunt abzulenken von der Tristesse, die Gorkis Bürgerpanorama ...
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Es ist die Geburt des Theaters aus dem Papier, und sein Erfinder ist einer, zwei, viele, nacheinander, übereinander, gleichzeitig in rasendem Tempo – seine Reise durch die Popwelt dauert 90 Minuten, und ein paar Opern und beseelte Gemälde fallen auch noch dabei ab. Ennio Marchetto heißt der Wundermann, er kommt aus Venedig und ist ein Kind des Karnevals. «Damals»,...
Manchmal scheint es, betrachtet man die Stücke jüngerer Dramatiker, als wären beruflicher Erfolg und eine halbwegs funktionierende Zweierbeziehung in erster Linie ein psychischer Härtetest, der unweigerlich zu tiefer Depression oder gar zum Amoklauf führen muss. Um sich die Leichtigkeit des Daseins erträglich zu machen, flüchtet das Personal mit Vorliebe in...
In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...
