Bunker-Atmo auf der Datscha: Lukas Turtur, Sophia Ahrens, Jakov Ahrens, Ursina Lardi (Lenin), Ulrich Hoppe (Lunatscharski), Iris Becher (Sekretärin) und Nina Kunzendorf (Krupskaja) in Milo Raus «Lenin» an der Schaubühne Berlin; Foto: Thomas Aurin

Austreibung der Menschlichkeit

Russische Verhältnisse von der Zarenzeit bis nach der Oktoberrevolution: Alvis Hermanis kritisiert an der Wiener Burg den Kapitalismus mit Alexander Ostrowskijs «Schlechter Partie», Milo Rau besiegt den Fetisch Revolution im Sterbens-Reenactment «Lenin» an der Berliner Schaubühne

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Lasset die Kindlein zu mir kommen! In der Pose des gütigen Vaters, der kleine Jungs und Mädels liebevoll in die Backen kneift, haben sich Diktatoren, wie kinderlos auch immer, stets gerne abbilden lassen. Von Wladimir Iljitsch Lenin sind solche Aufnahmen nicht überliefert, was schlicht daran liegen mag, dass die Zeit seiner Herrschaft zu kurz und zu unruhig war, schon bald auch von den Folgen seiner Schlaganfälle und der politischen Isolierung durch Stalin geprägt.

 

«Ab ins Massengrab!»

Milo Rau, der sich über den theatralen Einsatz von Kindern in «Five Easy Pieces» den Kopf zerbrochen hat, lässt in seiner Schaubühnen-Inszenierung über die letzten Tage des russischen Revolutionsführers wieder mehrmals einen Jungen und ein Mädchen an Ursina Lardis Lenin heran­treten. Sie kommen aus seiner Heimatstadt Sim­birsk und wollen ihm, weil er doch in letzter Zeit so müde geworden sei, einen Rollstuhl schenken. Lenin befallen gegenüber den niedlich bezopften und bemützten Kindern die finstersten Gewaltfantasien: «Ich könnte dem kleinen Bengel die Gurgel umdrehen – so regt es mich auf, dieses pralle Leben, diese feisten Wangen … Wie Swerdlow es mit den Zarenkindern gemacht hat: In den Kopf ...

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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt

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