Auf der Suche nach dem nicht-patriarchalisch-hierarchischen System
Theater heute Wir wollen über «Sistas!» sprechen, Golda Bartons Überschreibung von Tschechows «Drei Schwestern».
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das «Rassismus-Ding», wie es an einer Stelle heißt, ausgerechnet auf der Folie von «Drei Schwestern» zu verhandeln? Mit den Schwestern als Persons of Colour, einem ebenfalls Schwarzen Vater – statt Bruder – und einer weiteren PoC als Nachbarin statt der besitzgierigen Schwägerin? Alles spielt in einer Zehlendorfer Wohnung, dem Berliner Stadtteil, in dem die US-Armee bis Mitte der 1990er Jahre stationiert war (zur Uraufführung im 3. Stock der Berliner Volksbühne siehe TH 1/23).
Isabelle Redfern Tatsächlich basiert die Bearbeitung auf einigen Erfahrungen, die wir als Ensemble oder im Freundeskreis gesammelt haben. Die konkrete Idee für ausgerechnet «Drei Schwestern» als Modell geht darauf zurück, dass ein namhafter Intendant einmal zu mir sagte: «Was soll denn jemand wie du spielen? Tschechow? Etwa ‹Drei Schwestern›?» Das saß.
TH Also jetzt erst recht!
Redfern Diese Sätze gibt es natürlich ganz häufig, auch mit anderen Stücken.
Katharina Stoll Die Geschichte von «Drei Schwestern» passt allerdings auch perfekt...
Redfern ... das ...
Regisseurin KATHARINA STOLL, geboren 1994 in Köln, gründete 2020 nach Studium und Regieassistenzen zusammen mit Isabelle Redfern und Angelika Schmidt das feministische Theaterkollektiv Glossy Pain.
Schauspielerin und Regisseurin ISABELLE REDFERN, geboren 1976 in München, hat Geisteswissenschaften, Schauspiel und Musik in München, Hannover und Berlin studiert. Sie war an zahlreichen Theatern engagiert, zuletzt an der Schaubühne Berlin.
Silvia Yi, Künstlername MING, geboren 1976 in Garbsen, gewann schon als Kind Musikwettbewerbe. Neben klassischen Konzerten spielte sie auch im Vorprogramm der Band Seeed und veranstaltet «Mingbattles», bei denen sich Pianisten am Flügel pianistisch duellieren.
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Theater heute März 2023
Rubrik: Gespräch, Seite 42
von Eva Behrendt und Franz Wille
Wenn Menschen Kinder kriegen, werden sie zu Schriftstellern. Kinder mögen es, wenn man ihnen beim Zubettgehen eine Geschichte erzählt, oft verlangen sie sogar danach. Bei den Geschichten, die sich Mütter und Väter im Kinderzimmer so ausdenken, handelt es sich in der Regel um Gebrauchsliteratur ohne besondere ästhetische Ansprüche und mit klar definiertem Zweck:...
Der Fürst schnauft und ächzt, er schwankt auf dürren Beinchen in rot-gemusterten Leggins und kann sich kaum auf den Beinen halten. Sitzt er endlich im Sessel, so nickt er ein – oder begrabscht die Frauenbeine rechts und links, als gäbe es kein Morgen. Und weil seine Tage tatsächlich gezählt scheinen und weil er so wohlhabend ist wie ledig, muss dieses Onkelchen...
Das Thema mag noch so groß sein, der Text noch so brillant, die Regie noch so originell – ob ein Stück auf der Bühne funktioniert oder nicht, hängt vom Ensemble ab. Und da ist dem Staatstheater Karlsruhe bei der deutschsprachigen Erstaufführung der absurden Komödie «Hir» ein Glücksgriff gelungen. Zwei junge Neuzugänge (Jannik Görger und Rumo Wehrli) und zwei...
