An der Wir-Basis
Wer sich an Elfriede Jelineks Flüchtlingsklage «Die Schutzbefohlenen» wagt, hat im Grunde gar keine Chance, mit weißer Weste aus der Inszenierung hervorzugehen. Schließlich besteht die luzide Qualität des Textes gerade darin, die europäische Debatte um Asylsuchende, Grenzschutzpraktiken à la Frontex und moralisches versus paragrafisches Asylrecht angemessen dilemmatös auf den Punkt zu bringen.
Was, zum Beispiel, schon damit beginnt, dass Jelinek – die Besetzung der Wiener Votivkirche durch Flüchtlinge im Herbst 2012 auf der Folie der Aischyleischen «Schutzflehenden» gewohnt ausgreifend ins Grundsätzliche weitend – als Quasi-Vertreterin der europäischen Gated Community Europa weite Textstrecken aus der Perspektive eines Flüchtlings-Wirs bestreitet.
Nicolas Stemann hatte genau dieses Dilemma in seiner Uraufführung (siehe TH 07/2014) zum Thema gemacht, Jelinek nötigenfalls auch mal ein paar Millimeter weiter (oder auch gegen Jelinek) gelesen und die Flüchtlingsproblematik mit ihrer (Nicht-) Darstellbarkeit im Repräsentationsmedium par excellence zu einer Art Metatheater des strukturellen Scheiterns zusammengedacht.
Der Flüchtling als Pappaufsteller
Verglichen damit plagen den ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
Personen
Die Junge (30)
Die Mittlere (50)
Die Alte (90)
4 SCHWESTERN
(die Hundsmäuligen)
Das Beil, das Männer mordet, reiche mir einer rasch!
(Klytaimnestra)
Drei Betten, für Die Junge, Die Mittlere, Die Alte, und also wie drei Häuser und zugleich die Schließanstalten, in welchen die vier hundsmäuligen Schwestern diese Betten zu bewohnen pflegen...
Ohne weiteres kann man die Frankfurter Aufführung als Film beschreiben, stellenweise sogar als erstaunlich gelungenes Remake jener Verfilmung von 1951 mit dem jungen Marlon Brando, an die in diesem Zusammenhang alle denken: zwei bühnengroße Leinwände, auf denen die Schauspieler meist in Close-Ups zu sehen sind, meist sehr close, dazwischen eine entsprechend...
In «Frau Müller muss weg» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz liefert ein Stellvertreterkrieg den dramatischen Stoff: Eltern, die sich für ihre Kinder ereifern. Schauplatz ist ein Klassenraum, in dem eine Gruppe Eltern der Lehrerin ihrer Grundschulkinder den Prozess machen will. Geschrieben und uraufgeführt wurde das Erfolgsstück 2010 in Dresden, nachgespielt...
