Abgeschnitten und stillgelegt

An den Münchner Kammerspielen beamt Susanne Kennedy Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» ins Zombieland

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Weil man nicht damit rechnet, will man es zunächst nicht wahrhaben. Nur eine gewisse Irritation stellt sich sofort ein: Die Stimmen klingen ein wenig zu laut, wie mit Mikroport, und die ohnehin sparsamen Bewegungen passen nicht immer zum Atemrhythmus der Sätze, bis sich allmählich die Frage ins Hirn drängt: Spricht da überhaupt wer? Am Ende vergewissert man sich lieber noch einmal, aber es ist tatsächlich so: Live wird während der Aufführung von Marieluise Fleißers Erstlingswerk «Fegefeuer in Ingolstadt» im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele kein Wort gesprochen.

Der gesamte Text kommt als Playback vom Band und wird von den Schauspielern mit Lippenbewegungen synchronisiert. Dazu verharren die zumeist auch noch in einer Art Schockstarre, als wären sie mit den Füßen im Boden verschraubt wie Untote bei einer Familienaufstellung im Gruselkabinett – auf den ersten Blick eher Zombie-Trash als die Wiederbelebung eines kritischen Volksstücks aus den 1920er Jahren.

Bei der Uraufführung, die 1926 auf Vermittlung von Bertolt Brecht an der Jungen Bühne Berlin stattfand, wirkte das Stück «über das Rudelgesetz und über die Ausgestoßenen», so Fleißer selbst, in einer Gruppe von Halbwüchsigen ...

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Theater heute April 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen

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