94 Prozent Übereinstimmung
Ständig wird man davor gewarnt und doch tun es alle: im Internet surfen und dabei – freiwillig oder unbewusst – jede Menge Datenspuren hinterlassen, aus denen sich intime Persönlichkeitsmuster und Konsumanfälligkeiten errechnen lassen.
Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen Straßen und Widerständlern im Nahen Osten recherchierte und bei ihren Projekten das Infragestellen des eigenen Standpunkts nie ausklammert, hat sich diesmal zu einem radikalen Selbstversuch entschlossen: Mehrere Monate lang stellte sie sich unter digitale Dauerbeobachtung, machte Standort und Pulsfrequenz, Kalorienverbrauch und Googleverläufe auf ihrer Website https://follow-ana.de öffentlich und ließ ihre Daten gleichzeitig von diversen Selbstoptimierungs- und Partnervermittlungsinstituten unter die Lupe nehmen. Was macht das mit einem, wenn es ständig Ernährungs- und Trainingspläne abzuarbeiten gilt und man dabei kaum noch in der Lage ist, unmittelbar subjektives Befinden vom Blick auf die Tagesbilanz des Fitnessscores zu trennen?
Wie es weitergehen könnte, wenn wir Algorithmen und Profilen irgendwann mehr vertrauen als ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Silvia Stammen
Es war wohl der letzte Klassenkampf vor dem unwiderruflichen Sieg des Neoliberalismus, aber er wurde so selbstherrlich beschlossen, dass von vornherein der Wurm drin war: Ohne Urabstimmung führte die britische Gewerkschaft NUM die britischen Bergarbeiter im März 1984 ein Jahr lang in einen zermürbenden Streik, der heute als Wendepunkt in der britischen Geschichte...
Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.
Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung...
Menschen in eine Extremsituation zu packen und dann entspannt zuzuschauen, wie sie sich zerfleischen, ist ein Klassiker, von «Geschlossene Gesellschaft» bis «Dschungelcamp». Dramatiker Thomas Arzt wählt für sein Menschenexperiment «Der nackte Felsen» eine raue, lebensfeindliche Hochgebirgslandschaft nach dem Vorbild des Toten Gebirges, einem einsamen Felsplateau in...
