Tschechow, Beckett, Haidle

Fun ist kein Stahlbad: Noah Haidle kennt sich nicht nur mit Stückanfängen aus. Ein Porträt des Dramatikers aus Grand Rapids und die Uraufführung von «Alles muss glänzen – The Homemaker» in Hannover. Der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei.

Theater heute - Logo

Kurz vor unserem Treffen schickt Noah Haidle noch eine erkennungsdienstliche SMS: «Ich sitze draußen und versuche, möglichst unamerikanisch auszusehen.» Der sachdienliche Hinweis macht es tatsächlich unmöglich, am Treffpunkt etwa auf den falschen Hipster-Bart-Träger zuzusteuern: So viele begnadete Selbstironiker tummeln sich nicht im «Wohnzimmer» am Prenzlauer Berg. Haidle – Mitte dreißig, Lederjacke, lokaluntypisch interessierter Blick – war schon etwas früher da und hat sich vom Ambiente umgehend zu einer Filmszene inspirieren lassen.

Dass demnächst tatsächlich Kevin Spacey oder George Clooney in den Universal Studios an einem Fake-«Wohnzimmer»-Tresen stehen und koffeinfreien Soja-Latte bestellen, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Hat schließlich schon einmal funktioniert: Noah Haidles Gangsterkomödie «Stand Up Guys» wurde vor drei Jahren in Hollywood mit Al Pacino verfilmt.

Bis dahin kann man den dialektischen Witz des hauptberuflichen Dramatikers am Schauspiel Hannover genießen. Dort hat Anna Bergmann gerade Haidles jüngste Familienaufstellung «The Homemaker – Alles muss glänzen» ur-inszeniert, in der sich neben Haushaltsmessermorden und Doppellauf-Gewehr-Suiziden vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Vorschau

Pläne der Redaktion

 

Der Supertanker unter den deutschsprachigen Theaterfestivals, die Wiener Festwochen, führt auch in diesem Jahr fette Ladung: eine Bilanz

 

Sozialporno oder Armuts­groteske? Wie nett sind arme Leute? Michael Thalheimer inszeniert Gorkis «Nachtasyl» in der Berliner Schaubühne

 

Die Welt ist, was der Unfall ist! Ferdinand Schmalz hat einen neuen...

Ein Ticket für die Wirklichkeit

«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Re­volvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...

In der Schicksals­zentrifuge

Ein Stoffhund, der zu Beginn hinter einem Rollator her auf die Bühne geschleift wird und dort als kurioses Gesprächsthema zweier tüddeliger alter Damen herumliegt – kann der einem ans Herz gehen? Aber ja: Während der zweieinhalb Stunden, auf die Mario Salazars Episodenstück am Theater Baden-Baden komprimiert ist, plaudern Catharina Kottmeier als Waltraut und Nadine...