Wir sind Faust!
Wenn es stimmt, dass Gewerkschaftler vor allem da gerne streiken, wo es die Gesellschaft am härtesten trifft, dann dürfen sich die Theater im Grunde gratulieren, sind sie doch neben der Müllabfuhr im Ländle derzeit das beliebteste Angriffsziel von Arbeitskampfmaßnahmen (siehe S. 76 f). Anscheinend verspricht man sich dort, wo staatlich organisierter Kunstbetrieb und tarifrechtliche Arbeitnehmerinteressen aufeinanderprallen, noch öffentliche Breitenwirkung in besonderem Maß. Dass es dennoch nicht zum Schlimmsten kam und Schauspiel-Intendant Hasko Weber trotz ver.
di-Streik seine Februar-Premieren einigermaßen unbeschadet über die Bühne bringen konnte, verdankt sich womöglich dem Umstand, dass das Schauspiel Stuttgart in dieser Saison eine kleine, kämpferisch geballte Arbeiterfaust – und sei es in Lindgrün – im Wappen trägt. Wie gut, dass unser vorausschauender Dichterfürst seinem ruhelosen Dramenhelden einen so vielseitig interpretierbaren Namen gegeben hat.
Feindliche Familien-Übernahme
Auch der Held in Oliver Bukowskis neuem, im Depot uraufgeführten Stück «Steinkes Rettung» ist in gewisser Weise Opfer wirtschaftlicher Umwälzungen, allerdings kaum eines, das wegen ...
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Der Kritiker über sich
Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich!...
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern,...
Fanny hat wieder einmal eine aktuelle Lösung für ihr altes Problem gefunden: Jusuf Mummadir, ein Ägypter und Muslim mit dickem Auto und fließendem Franz-Beckenbauer-Deutsch, könnte die von vielen Männern und ebenso vielen Enttäuschungen sichtlich gezeichnete Straubinger Wirtstochter endlich in die ersehnte Ehe führen. Vorher muss nur der interkulturelle Dialog...
