Giselle
Fast vier Jahrzehnte ist es her, da geschah auf dem Grünen Hügel von Bayreuth ein Wagner-Wunder. 1976 wuchteten der Regisseur Patrice Chéreau und der Dirigent Pierre Boulez den vierteiligen «Ring des Nibelungen» auf die Bühne des Festspielhauses und ernteten dafür Buhrufe und Beschimpfungen. Wagners getreue Publikumsritter tobten ob der vermeintlichen Verhunzung des monumentalen Werks. Zur letzten Aufführungsserie 1980 hatte sich das Blatt gewendet: Es gab stehende Ovationen für die Macher, ihre Lesart ging als epochal in die Operngeschichte ein.
Weil sie den Inhalt der 1876 uraufgeführten Tetralogie systematisch rückkoppelte an die Entstehungszeit: die Hochphase der Kapitalisierung und industriellen Erschließung des Deutschen Reichs. Was sich der Wirkung nach so ungefähr als Einbruch der Aufklärung in das pseudoreligiöse Weltbild des Wagner-Kults beschreiben lässt.
Eine metallische Mauer, riesenhaft dimensioniert, versperrt den Blick. Zwei Dutzend Menschen harren vor ihr aus, während Donnerhall über ihre Köpfe hinwegfegt. Eine Zeitlang stehen sie starr, wie erstorben. Dann tasten ihre Hände am Bauwerk entlang, Körper lehnen sich dagegen und stemmen es mit ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Dorion Weickmann
Die Verwandlung geschieht etwas arg plötzlich. Eben noch bastelt der Puppenmacher Coppélius an einem Gliederrohling, schon kommt das fertige Ballerinenmädchen auf einem Tisch aus den Kulissen gefahren und klappert mit den Augen. Erste steife Verrenkungen bedürfen noch manueller Unterstützung. Dann aber entfaltet das Maschinenwesen ein recht forsches Eigenleben...
Im Februar: Tanzen ist Sünde!
Dieses Urteil setzten die Kirchenväter in die Welt, und ihre Nachfolger verkündeten es weiter bis ins Hoch- und Spätmittelalter hinein – so heißt es jedenfalls, wann immer es um Christentum und Tanz geht. Doch das Klischee ist brüchiger, als wir annehmen. Denn der Tanz gehörte zu den Ritualen, die geistliche Gemeinschaften...
Den Haag
CaDance
Das Festival «CaDance» trifft auf die Ausläufer der in acht niederländischen Städten stattfindenden «Flamenco Biënnale». In Den Haag wird sie vertreten durch Sara Cano. Bei ihr kreuzt sich spanischer Tanz erst mit Butoh, dann mit indischem Tanz. Das zeitgenössische «CaDance»-Festival setzt auch auf musikalische Klassik: Jasper van Luijk ist...
