Yi-Chun Liu «CLOSE TO YOU (AND THINK OF THE SONG)»

Gießen

Tanz - Logo

Der Zug ist verspätet. 110 Minuten, wie originale Bahnhofsdurchsagen mehrfach verkünden. Man muss warten, man muss Zeit totschlagen, man muss den Körper koordinieren, zwischen Gleisbett und Wartehalle. Yi Chun-Liu, im Hauptberuf Tänzerin bei der belgischen Gruppe Peeping Tom, bespielt für ihre erste abendfüllende Stadttheater-Arbeit «Close to you (and think of the song)» einen ganz konkreten Raum: einen Bahnhof, bevölkert von Figuren, die eigentlich woanders sein wollen (Ausstattung: Sabina Moncis).

Ein Security-Mitarbeiter, eine Blinde, eine übermäßig bepackte Reisende, alle wollten den ICE erwischen und sind jetzt in eine Leerflaufsituation gezwungen. Nach und nach brechen sich Tics Bahn, bald übernimmt die Schwerkraft die Kontrolle, irgendwann fläzt man, schließlich stürzt man.

Constantin Hochkeppel hat die Gießener Tanzsparte vor zwei Jahren als «Physical Theatre» neu erfunden. Tanz im engeren Sinne kommt seither kaum vor, dafür eine diverse Darsteller*innenriege, die Inhalte via Körper ausdrückt. Auch bei Yi Chun-Liu wird nur noch zufällig getanzt, mit überraschend anmutigen Dehnübungen im Wartesaal etwa, oder mit Tanzschritten, die sich wie von selbst aus einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2024
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Glückwunsch Susanne Linke

Achtzigmal schlagen vier Männer mit vier Kilo schweren Hämmern auf eine Stahlplatte am Boden: ohrenbetäubend. Das gleißende Licht einer Scheinwerferreihe blendet wie Glut in Hochöfen. Susanne Linkes legendäres Werk «Ruhr-Ort» von 1991 macht den harten Arbeitsalltag der Berg- und Stahlarbeiter körperlich ahnbar: Linke will die Maloche darstellen. «Ruhr-Ort» ist...

Roni Haver, Guy Weizman «Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg»

Blaubarts Burg ist ein weißgekachelter Saal, auch das Orchester findet auf der Bühne des Braunschweiger Staatstheaters darin Platz. Käfige hängen von der Decke, Tänzer recken sich an den Wänden, bilden in Roni Havers Choreografie eine verschreckte, ergebene Gruppe um Herzog Blaubart und seine «Körperfestung», wie Bela Bartóks Oper in der Koproduktion von...

Screening 6/24

DIE GLASMENAGERIE
Abschiedsrunde für John Neumeier beim Hamburg Ballett – das ist nicht nur mit seiner letzten Uraufführung (S. 31) verbunden und mit einem Filmporträt (S. 61), sondern auch mit einer Erstausstrahlung bei Arte: «Die Glasmenagerie» nach Tennessee Williams hat der Choreograf im Dezember 2019 (tanz 1/20) herausgebracht, mit einer fulminanten Alina...