das große flattern

Die meisten Tänzer kriegen Fracksausen, wenn sie nur daran denken: Auditions gelten als Angstmacher. Auch die Arbeitsagentur nutzt das Format. Und bietet ein Coaching an.

«Atmet einfach ein und aus, entspannt euch – und habt vor allem Spaß!» Dirk Elwert ist keine Bürokratenseele, sondern ein ziemlich guter Seelsorger. Er kann sich offenbar lebhaft ausmalen, wie es gerade um die 23 blutjungen Damen und Herren bestellt ist, die sich an diesem Sonntagmittag im Ballettsaal des Leipziger Opernhauses versammelt haben. Eigentlich gehören sie noch gar nicht hierher, denn keiner von ihnen hat einen Vertrag in der Tasche. Stattdessen fiebern sie alle dem Abschluss ihres Tanzstudiums entgegen, die einen in Dresden, die anderen in Berlin.

An den hiesigen Stangen reihen sie sich nur aus einem Grund hintereinander: Sie wollen die erste Hürde im Berufsleben nehmen und einen Platz in der ZAV-Datei ergattern. Gegen Abend werden sie wissen, ob’s geklappt hat.

Hinter dem ZAV-Kürzel verbirgt sich eines jener Wortungetüme, die in deutschen Amtsstuben im Minutentakt geboren werden: Die «Zentrale Auslands- und Fachvermittlung» gehört zur Bundesagentur für Arbeit und unterhält eine Künstler-Dependance, die Berufsstarter, Arbeitslose und Wechselwillige in Lohn und Brot bringen soll. Dabei wird nicht ins Blaue hinein vermittelt: Tänzer müssen ihr Können vorher unter Beweis ...

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Tanz Januar 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann

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