Veit Sprenger
Ich hatte das. Es war nicht schön, weder für mich noch für das Virus. Aber wir haben es beide überstanden. Nur mein Geruchssinn ist noch eingeschränkt. Jetzt warte ich darauf, dass mir Fledermausflügel oder Schuppentierschuppen wachsen. Superheldensagas beginnen so. Allerdings wird für meinen Geschmack momentan zu viel von Helden gesprochen. Ein Heldendenkmal ist schnell aufgestellt. Meistens ist das ja eine Schummelei, um billig davonzukommen, ohne dass die Machtverhältnisse sich ändern müssen. Was gerade weiterhilft, sind eher die kleinen Dinge, die Sorgfalt erfordern.
In meinem Fall sind es die herzlichen Solidaritätsbekundungen anderer Kunstschaffender: «Hallo, was machst du so? Ich mache das und das. Machst du mit?» Zurzeit empfinde ich jeden Arbeitsauftrag als einen Liebesdienst. Kunst arbeitet, oder sie geht ein.
Daneben kommt Solidarität ausgerechnet von denen, die sonst bei jeder Gelegenheit eins auf den Deckel bekommen, nämlich von Förderinstitutionen wie der KSB, dem Fonds DaKu und noch einigen anderen. Sie standen verblüffend schnell mit Ideen bereit, die von einer fundierten Kenntnis unserer Arbeitsweisen zeugen. Die freien Spielstätten wirkten dagegen eher ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 42
von Veit Sprenger
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, kreativ, unermüdlich,...
Marco Goecke, die zurückliegende Saison war für Sie in jeder Hinsicht eine Herausforderung: erste Spielzeit als Ballettdirektor überhaupt, Amtsantritt in Hannover, Verantwortung für ein Ensemble, das seinerseits im Prozess des Zusammenfindens war, und dann noch das Publikum von der eigenen Arbeit überzeugen. Ausgerechnet während der Proben zu Ihrer ersten...
In der sechsten Woche der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Theater streamt das Hamburg Ballett «Tod in Venedig»: 2001 von John Neumeier choreografiert nach der Novelle von Thomas Mann. Es geht um einen Choreografen im von der Cholera bedrohten Venedig, er muss Abstand halten zu anderen Menschen. Aber Abstand ist ein Ding der Unmöglichkeit in der Kunst. Weil...
