Marco Goecke
Marco Goecke, die zurückliegende Saison war für Sie in jeder Hinsicht eine Herausforderung: erste Spielzeit als Ballettdirektor überhaupt, Amtsantritt in Hannover, Verantwortung für ein Ensemble, das seinerseits im Prozess des Zusammenfindens war, und dann noch das Publikum von der eigenen Arbeit überzeugen. Ausgerechnet während der Proben zu Ihrer ersten abendfüllenden Kreation, einer Choreografie nach Marguerite Duras’ «Der Liebhaber», kam der Lockdown.
Wie kommt man mit einer solchen Situation zurecht? Eine solche Position zu übernehmen, war schon an und für sich eine hektische Angelegenheit. Vieles kam auf mich zu, womit ich zuvor noch nie konfrontiert war. Aber eigentlich lief das ganz gut, auch wenn die Gewöhnungszeit nicht ohne war. Es dauert eben seine Zeit, bis sich ein Familiengefühl entwickelt. Da hätte eine Choreografie wie «Der Liebhaber», an der sich die gesamte Kompanie beteiligt, sicher weiterhelfen können. Hinzu kam eine persönliche Krise. Ich fragte mich: Gefällt mir das alles noch nach 20 Jahren? Befriedigt mich meine Arbeit noch? Ich ging mit mir ins Gericht, und das ausgerechnet in einem Moment, in dem man sich selber als neu bestallter Ballettdirektor unter ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 44
von Hartmut Regitz
Wenn Prinzessin Aurora im Rosen-Adagio von «Dornröschen» in Balance steht, wenn sie die Hände ihrer vier Bewerber jeweils für einen kurzen Moment loslässt, um in erhabener Ruhe auch ihren zweiten Arm über dem Kopf zu runden, dann ist das, vielleicht weil es derart selten in Perfektion geschieht, ein Moment echter Magie. «Bras en couronne» heißt die Armhaltung und...
Ich war gerade auf meiner Terrasse und habe dort völlig die Zeit vergessen. Ja, die Zeit. Über das Phänomen der Zeit denken wir wohl jetzt gerade alle nach. Mit dem Diktat der Berührungslosigkeit hat diese letzte Zeit uns alle möglichen Ängste gebracht, Verunsicherung, tiefe Traurigkeit. Aber auch viele Tage der Isolation, um nachzudenken. Unter anderem darüber,...
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden...
