Unsterblich
Wer will sich schon zu Lebzeiten vom Tod anrufen lassen und beginnen, aus seiner Perspektive zu denken und zu handeln? Die Vorstellung, dass sich das eigene Studio in eine Stiftung oder ein Archiv verwandelt, und das gesamte Schaffen mit all seinen Meisterwerken und Gelegenheitsarbeiten, mit all seinen Skizzen und E-Mails einmal als Nachlass verhandelt wird und in einem Depot landen soll, ist wohl für erfolgreiche Künstler*innen kein beflügelnder Gedanke. Ein Spezialfall ist das Erbe von Choreograf*innen. Es unterscheidet sich grundlegend von jeder materiellen Nachexistenz.
Es muss buchstäblich verkörpert und bewegt werden, sonst verschwindet es irgendwann aus unserem aktiven Bildergedächtnis. Um die Jahrtausendwende hat die UNESCO das Thema «Lebendiges Erbe» als eine der wichtigen, kulturellen Fragen unserer Zeit erkannt. Neben der analogen Fotografie, der Arbeit von Planetarien, Yoga in Indien und Geigenbau in Cremona hat es 2014 auch der Moderne Tanz in Deutschland auf die Liste für ephemeres Kulturerbe geschafft. Dieser offizielle Schutzstatus ist ein großer Schritt nach vorne, weil er das Bewusstsein schärft für notwendige Räume, Regeln und Rechte. Und trotzdem: Ein Blick in ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Perspektiven, Seite 52
von Marietta Piekenbrock
Deutschland
On tour
Preisträger*innen des «29. internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals Stuttgart 2025» mit einem Gala-Programm (tanz 5/25): Stuttgart, Kammertheater, 14., 15. Nov.; Heidelberg, HebbelHalle, 16. Nov.; Karlsruhe, Tanz Karlsruhe, 17. Nov.; Lindau, Stadttheater, 18. Nov.; Augsburg, Kulturhaus Abraxas, 19. Nov.; Ulm, Roxy, 20. Nov.; Puchheim/München,...
Seine Kunstwerke sind so rasant und reißend wie seine Gedankenströme: Sturzfluten von Ideen, Neugier und schierer Brillanz. Mit seiner Gabe, künstlerisches Neuland zu betreten und mit neuesten Technologien zu experimentieren, hat sich der Choreograf Wayne Mc-Gregor der Aufgabe verschrieben, den menschlichen Körper innerhalb der digitalen Möglichkeitsräume am Anfang...
Als Rena Butler an diesem kühlen kalifornischen Morgen durch das Marmorfoyer des War Memorial Opera House von San Francisco schreitet, strahlt sie eine angenehme Wärme aus. Sie trägt ein schwarzes Tanktop, Armyhose, schwarze Boots, ist groß, hat lange Arme und Beine, ein schmales Gesicht, kurz: Sie wirkt immer noch wie jene kraftvolle Tänzerin, die einst in Stücken...
