Transition

Tänzerkarrieren sind kurz. Danach kommt noch lange nicht die Rente. Melanie Suchy hat sich umgehört, wie Tänzer den Übergang in ein neues Leben meistern, und wer einen dabei unterstützt. Tenor: Erweitere den persönlichen und beruflichen Horizont möglichst früh

Ein Tänzer hört auf zu tanzen. Einer? Alle. Bis auf seltene Ausnahmen beenden Tänzer ihren Beruf in einem knackigen Alter, Jahrzehnte vor der Rentengrenze. Das weiß jeder, der mit dem Tanzen beginnt, aber er denkt nicht dran. Eine Reihe von Studien bezeugen: Das Berufsende ist tabu.

Nichtmehrtanzen ist keine Schande, sondern normal. Nur nicht für einen selbst. Der Tanzberuf lässt sich nicht wie ein hübscher Mantel ablegen. Das Tanzen steckt in einem drin; das Getriebe läuft jahrelang von morgens bis abends; bei freischaffend jobhopsenden Tänzern nur unregelmäßiger.

Was passiert, wenn dieses Rotieren stoppt?

Das Fachwort für den Übergang von der Tanzkarriere zum nächsten Beruf ist das englische «Transition», vom Lateinischen «transire» für hinübergehen, überqueren. Ein aktives Verb. Es geht ums Tun, um Entscheidungsschritte: 1. Motor abstellen, aufhören, 2. neue Blickrichtung wählen, 3. losgehen. Die Wege hinüber sind mal gerade, mal krumm, manche lang, manche kurz.

Der Grund zum Aufhören beeinflusst alles Weitere: a) Hat man selber entschieden, oder b) zieht der Körper wegen Verletzung oder Verschleiß die Bremse oder c) muss man sich dem Beschluss anderer fügen? Ersteres kann, wie ...

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Tanz Oktober 2009
Rubrik: Praxis, Seite 58
von Melanie Suchy

Vergriffen
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