Tanz den Kontrapunkt

Was denkt der Körper, wenn er Musik hört? Dass er tanzen muss? Nein, Tanz und Musik, das ist eine Liebe voller Missverständnisse. Über deren historische Hintergründe berichtet Steffen A. Schmidt

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Wir denken mit unseren Beinen und gehen mit unserem Kopf
(Thomas Bernhard in «Gehen»)

Musik und Tanz: ein Herz und eine Seele. Könnte man denken, ist aber nicht so. Stattdessen ließe sich seit Guillaume du Manoir, dem Kapellmeister Ludwigs des XIV. und Autor des  Buchs «Die Heirat zwischen der Musik und dem Tanz» (1664), von einer krisenhaften Ehe sprechen, die zahlreiche Scheidungen und oftmaliges Wiederverheiraten erlebt hat.

Sei es, dass der Choreograf  die Komposition zum optischen Gassenhauer verstümmelt, oder aber der Komponist den Tänzer mit seinen Klangmassen scheußlich ertränkt. Belege für diese artistischen Bedrohungen gibt es zuhauf und zu allen Zeiten: Claudio Monteverdi forderte schon 1638 von den Choreografen einen Tanz, der sich mehr der Bedeutung und dem Ausdruck der Musik und der Sprache anpasse und sich nicht in trickreicher Beinarbeit erschöpfe, die die dramatische Bedeutung unsinnig überlagert. Mary Wigman flüchtete 1913 von der rhythmischen Gymnastik eines Emile Jaques-Dal­croze zu Rudolf von Laban. Jaques-Dalcroze hatte seine Eleven mit Bachs Fugen solang malträtiert, bis diese sich in deren Glieder eingeschrieben und räumlich materialisiert hatten. Dagegen ...

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Tanz Oktober 2006
Rubrik: Kling Körper, Seite 12
von Steffen A. Schmidt

Vergriffen
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