singspiele

Wie werde ich, wer ich nicht war? Wie wurde ich, wer ich nie sein werde? Maguy Marin lässt David Mambouch von einer Identität in die andere tanzen

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Ab vierzig ist man für sein Gesicht verantwortlich, soll Leonardo Da Vinci gesagt haben. Napoleon Bonaparte wird zugeschrieben, die Grenze auf dreißig gesenkt zu haben, als ihm eine Visage unbehaglich war. Albert Camus sprach nur noch von «einem bestimmten Alter». Und wenn es schon bei der Geburt so wäre? Der Gesichtsausdruck geht mit Verantwortung einher. Der britische Dramatiker Edward Bond arbeitet, offensichtlich beeinflusst von der Philosophie Emmanuel Levinas‘, mit Kindern und schreibt schon Neugeborenen ein unbewusstes Gefühl der Verantwortung für die Menschheit zu.

Und nun kommt die Choreografin Maguy Marin mit ihren vielgesichtigen «Singspielen». Was tut ein Konterfei? Es deutet den Charakter an, die Psyche, den Gesundheitszustand, die gegenwärtigen Lebensumstände und manchmal auch in der Vergangenheit durchlebte Prüfungen. Es spiegelt Emotionen und erzeugt sie. Jede Begegnung mit einem Menschen fasziniert und gibt Rätsel auf. In «Singspiele» durchleben wir den Vorgang dutzendweise, im Zeitraffer. Es ist ein Solostück, doch eigentlich müsste man ein neues Wort dafür erfinden. Nicht «Solo», sondern «Vielo» zum Beispiel, meint Maguy Marin. Mit dem Mund hält David Mambouch ...

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Tanz August/September 2014
Rubrik: tanz im august, Seite 36
von Thomas Hahn

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