Schützen und stützen
Aus ihren Augen funkelt der Zorn, sie blecken die Zähne und tanzen, als wären sie vom Teufel besessen – wobei der ein Kalligraf sein muss. In Münster sind die «Furien» los: Ein knappes Dutzend Tänzer*innen rennt, springt und stampft mit einer ungeheuren Intensität und in wil den, virtuosen Variationen gegen eine kosmische Kraft an. Diese, niemand Geringeres als Göttin Athene, verbirgt sich hinter einer archaisch anmutenden Wand. Eine bruchstückhafte Stadtmauer mit treppenförmigen Konturen ragt im hinteren Teil der Szene empor.
Wenn sie sich öffnet, um die Aggressoren, die sie bestürmt haben, gerade zu wieder auszuspucken, fällt ein gleißender Lichtstrahl in das zur griechischen Arena umgebaute kleine Haus des Theaters Münster. Und am Ende, als die Welt zur Ruhe kommt, hocken die Furien auf drei tortenstückförmigen Treppenstufen. Ein Bühnenbild, das es in sich hat: Auf einer wiederverwertbaren, aus Modulen gebauten Bühne findet der Kampf um Frieden statt. Die Ausstattung von Lillian Stillwells imponierender erster Kreation für Münster ist Versprechen und Vision: Die Amerikanerin aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, seit dieser Spielzeit Tanzdirektorin und ...
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Tanz 11 2022
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Bettina Trouwborst
Die Welt auf den Kopf gestellt, zweimal vierzig Minuten lang an einem Abend – ganz schön ehrgeizig für den neuen Tanzabend des Hessischen Staatsballetts: «V/ertigo» (Schwindel), bestehend aus den Schwesterstücken «Skid» von Damien Jalet (tanz 4/22) und «I’m afraid to forget your smile» von Imre und Marne van Opstal.
Bringt Jalet auf schräg-steiler Tanzfläche ganz...
Köln
DER ZWERG/PETRUSCHKA
Dass Richard Siegals Ballet of Difference in Köln ans Schauspiel statt ans Musiktheater angedockt ist, ist verhältnismäßig ungewöhnlich, die Ergebnisse überzeugen aber in der Regel. Jetzt gibt es allerdings tatsächlich eine Kooperation mit der Oper – und zwar gleich mit zwei Klassikern der Avantgarde: Zunächst inszeniert Paul Georg...
Mitte Oktober, Verleihung des «Deutschen Tanzpreises» im Essener Aalto Theater. Mit dabei per Zuschaltung: die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, Partei: Bündnis 90/Die Grünen. Was hatte man sich nicht alles von ihr erwartet – Aufbruch, Elan, Engagement, Fortschritt ... Okay, die Zeiten sind schwierig, Krieg, Klimakrise, Energieengpass und dann...
