Respekt und Menschlichkeit

Heute Direktorin des Badischen Staatsballetts in Karlsruhe, einst gefeierte Ballerina: Über Kunst und Kritik spricht die Choreografin Bridget Breiner mit Bettina Trouwborst

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Bridget Breiner, in einem Gedicht endet Johann Wolfgang von Goethe mit der Aufforderung «Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent». Können Sie seinen Zorn nachempfinden?
Ich hatte als Tänzerin und Choreografin nie das Gefühl, dass ich jemanden totschlagen möchte. Es ist eher das Bedürfnis, mich wieder vom Boden aufzurichten. Mein Problem mit Kritik – nicht mit Kritiker*innen – liegt darin, dass ich jedes Wort persönlich nehme und zu nah an mich heranlasse. Deshalb muss ich mich, ehrlich gesagt, immer zurücknehmen, was das Lesen von Besprechungen angeht.

Ich muss Abstand halten.

Sind Sie so hart angegriffen worden?
Eigentlich nicht. Ich habe Kritiken öfters als verletzender empfunden, als sie waren. Wenn ich Artikel Jahre später noch einmal lese, frage ich mich manchmal, was mich damals so getroffen hat. Aber letztlich hat das damit zu tun, dass hinter einem Ballett ein Jahr intensiver Arbeit und viel Herzblut steckt. Selbst wenn eine Kritik sensibel und auch wertschätzend ist, bleibt es doch hart, kritisiert zu werden. Als Tänzerin wie als Choreografin habe ich dann das Gefühl, schutzlos zu sein, so als hätte ich keine Haut. Ich bin zu verwundbar, jedes kleine Wort trifft ...

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Tanz 4 2023
Rubrik: Kunst und Kritik, Seite 46
von

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