Respekt und Menschlichkeit

Heute Direktorin des Badischen Staatsballetts in Karlsruhe, einst gefeierte Ballerina: Über Kunst und Kritik spricht die Choreografin Bridget Breiner mit Bettina Trouwborst

Tanz - Logo

Bridget Breiner, in einem Gedicht endet Johann Wolfgang von Goethe mit der Aufforderung «Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent». Können Sie seinen Zorn nachempfinden?
Ich hatte als Tänzerin und Choreografin nie das Gefühl, dass ich jemanden totschlagen möchte. Es ist eher das Bedürfnis, mich wieder vom Boden aufzurichten. Mein Problem mit Kritik – nicht mit Kritiker*innen – liegt darin, dass ich jedes Wort persönlich nehme und zu nah an mich heranlasse. Deshalb muss ich mich, ehrlich gesagt, immer zurücknehmen, was das Lesen von Besprechungen angeht.

Ich muss Abstand halten.

Sind Sie so hart angegriffen worden?
Eigentlich nicht. Ich habe Kritiken öfters als verletzender empfunden, als sie waren. Wenn ich Artikel Jahre später noch einmal lese, frage ich mich manchmal, was mich damals so getroffen hat. Aber letztlich hat das damit zu tun, dass hinter einem Ballett ein Jahr intensiver Arbeit und viel Herzblut steckt. Selbst wenn eine Kritik sensibel und auch wertschätzend ist, bleibt es doch hart, kritisiert zu werden. Als Tänzerin wie als Choreografin habe ich dann das Gefühl, schutzlos zu sein, so als hätte ich keine Haut. Ich bin zu verwundbar, jedes kleine Wort trifft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 4 2023
Rubrik: Kunst und Kritik, Seite 46
von

Weitere Beiträge
Neuer Ort für den Tanz

Rotterdam bekommt ein neues Tanzhaus. Am Südufer der Maas wird ein ehemaliges Lagerhaus von der chinesischen Firma MAD-Architects zu einem Powerhouse für den Tanz umgebaut. Das Haus ist eigentlich Teil des FENIX Lagerhauses, in dem die Stiftung Droom en Daad ein Museum für Migration einrichtet. Die Stiftung, die in Stadtentwicklung insbesondere im Bereich Kultur...

Marcos Morau «Dornröschen»

Verzückung, Verrückung, obskures Ritual: Sechzehn weiß gewandete Gestalten in Spitzenhäubchen und Krinoline kleben im Pulk aneinander. Der Raum ringsum leuchtet so rot wie die Innenmembran einer Gebärmutter, während die mysteriösen Sektierer*innen, die an das Personal eines Daphne du Maurier-Schauerromans à la «Rebecca» erinnern, unsichtbare Schicksalsfäden zu...

Pure Noblesse

Es klopft an die Scheibe der Fahrertür. Olga Esina blickt zur Seite. Es ist ein Wiener Polizist. «Entschuldigung, bitte warten Sie einen Moment», sagt sie zu der Journalistin und steigt aus. Zum Video-Gespräch hat sie es sich mit dem Notebook in ihrem Auto eingerichtet. Kurz darauf gleitet die 36-Jährige wieder auf den Fahrersitz und lacht verschmitzt wie ein...