Rau und Riskant
Im Jahr 2015 habe ich Overhead Project zum ersten Mal gesehen: Eine Kölner Vorstellung Eurer fantastischen Produktion «Carnival of the body». An welchem Punkt Eurer Karriere wart Ihr damals?
Tim Behren: Da lief es schon richtig gut für uns. Damals war ich selber noch als Akrobat und Tänzer auf der Bühne.
Mein langjähriger Arbeitspartner Florian Patschovsky und ich hatten 2007 unsere gemeinsame Ausbildung als Partner-Akrobaten-Duo an der Brüsseler Hochschule für Zeitgenössischen Zirkus, der «Ecole Supérieure des Arts du Cirque» begonnen und dort das Kompanielabel «Overhead Project» gegründet. 2011 sind wir mit unserem Signaturstück, dem kurzen Duett «[How to be] AlmostThere» international getourt. Aber «Carnival of the body» war dann unser erstes abendfüllendes Stück.
Ein Stück über Wrestling?
Wir wollten uns als Duo mit dem Spektakulären befassen und den Kern des Zirkus als populäre Kunstform sezieren. Das Wrestling war gewissermaßen die abstrahierte Form dafür.
Was hast Du damals in Florian Patschovsky gesehen, als Ihr Euch als Akrobatenduo gefunden habt?
Die Partnerwahl im Zirkus ist natürlich etwas Besonderes. Man ist quasi künstlerisch verheiratet miteinander und die ...
Köln
overhead project «blueprint»
Am Ende dann steht sie doch auf seinen Schultern und beide verschmelzen zu einer langen Figur, die über die Bühne tanzt. Mal in weichen Bögen, mal in ruckartigen Bewegungen ist sie genau das: die Fusion von Tanz und Zirkus. Eine tanzende Kreatur, grazil und kraftvoll, von einer Leichtigkeit, die all das Schwere, das hier an körperlicher Arbeit geleistet wird, vergessen lässt, obwohl es einem buchstäblich vor Augen steht.
«Blueprint» von Overhead Project aus Köln mit der Tänzerin Mijin Kim und dem Akrobaten Leon Börgens – beide haben schon 2018 in «My Body is Your Body» zusammengearbeitet – ist eine lange Suche nach diesem Moment der Vollendung. Eine zunächst offene Suche, deren Uraufführung im Leipziger LOFFT stattgefunden hat. Da hebt etwa die zarte Kim den muskulösen Börgens in die Höhe, wirft ihn geradezu über sich und verkehrt demonstrativ die klar zugewiesenen Ausgangspositionen zwischen Tanz und Akrobatik, die sich dann am Ende wieder vereinen. An anderer Stelle versucht Börgens sich an einem grotesken Bewegungssolo, das er humoristisch mit Lautmalereien anreichert. Trotzdem wird es nicht zur Parodie, sondern ist eine Fortentwicklung des ...
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Tanz April 2024
Rubrik: Zeitgenössischer Zirkus, Seite 52
von Nicole Strecker
das sind meine Pronomina und immer öfter nenne ich sie direkt dazu, wenn ich mich jemandem vorstelle. Das zu normalisieren, gibt trans Personen sowie Menschen, die sich außerhalb eines binären Geschlechtersystems verorten, die Chance, sichtbar zu werden und unangenehme Korrekturen oder Aufklärungsgespräche zu vermeiden. So weit, so einleuchtend. Aber warum ist das...
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