Räume malen
Stille. Zwölf Tänzer strömen ins Bild, verteilen sich in einem großflächigen, mit blauem Klebeband markierten Quadrat. Dann: Die Tonspur stürmt los, die Interpreten auch. Es beginnt ein endloses Bewegen, man eilt, dreht sich, immer verankert; gestreckte Arme sind Hebel, Körper sind Massen; mit einem Griff werden auf dem Bauch gestrandete Tänzer auf den Rücken gedreht. Aufstehen, rennen, bewegungstüchtig bleiben.
Auf den ersten Blick ist Gilles Jobins «Double Deux» eine Rückkehr ins Abstrakte.
Das in Annecy uraufgeführte Stück des Westschweizer Choreografen kontrastiert mit seinem letztjährigen «Steak House», wo Plastikeimer und Bücher durch die Luft flogen, Jobin einen Umzug samt Teppich von einer Bühnenecke in die andere inszenierte. «Double Deux» knüpft an frühere Werke an, frönt der Leere, dem Licht, den Kleidern, einer Malerei im Raum. So sieht man anfangs nur organische Masse. Bewegungsmotive erwachen und verschwinden.
Jobins Malen im Raum erinnert an die Gruppe Supports/Surfaces, die Ende der 1960er die Malerei in ihre Elemente zerlegt und sie von Perspektive und Emotion befreit. Bleibt das Spiel zwischen (Kunst-)Träger und Oberfläche, bleiben Regeln, Mittel, Farben und ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
July 5, 2005 – a day like any other at the Gulbenkian Ballet. Rehearsals, talks on the corridors, everything going smoothly. Then the news came. The ballet company had ceased to exist a few hours earlier. Suddenly all rehearsals had to end, commissions were suspended (paid for but never premiered), no more tours, no more shows.
Reactions of incredulity came from all...
Olga Roriz stieß in ihrem Stück «F.I.M.» (für: «Fragmente, Einschreibungen, Erinnerungen») auf lauter grundsätzliche Frage wie: «Was ist Raum?». Dazu knöpfte ein Tänzer Hemd und Hose auf und begoss sich mit Theaterblut. Raum sei, worin die menschliche Existenz gesperrt ist. «Was ist Zeit?» Die im Stuhl sich windende Tänzerin antwortete, dass sie «tired for...
Ondiege Matthew aus Nairobi ist irritiert: «Wasn’t it disgusting for you at all?», fragt der kenianische Choreograf in die Runde. Das Düsseldorfer Publikum, das sich im tanzhaus nrw angewöhnt hat, seine Eindrücke nach der Vorstellung in einer gruppendynamischer Sitzung loszuwerden, schüttelt vehement die Köpfe. Nein, aber wir waren betroffen, sagen sie tapfer: «Vor...
