Queere Lust
Dem Ballettklassiker «La Fille mal gardée» kann man beim besten Willen keine tiefere Bedeutung nachsagen. Das älteste Handlungsballett, das bis heute in unterschiedlichen Versionen aufgeführt wird, ist rein komödiantischer Stoff. Obwohl im Revolutionsjahr 1789 uraufgeführt, hat das Libretto nichts Revolutionäres an sich, sieht man mal davon ab, dass das auftretende Personal nicht dem Adel oder der mythischen Götterwelt entstammt, wie es bis dahin üblich war, sondern dem einfachen Volk.
Mit dem realen Leben und den Mühen des bäuerlichen Alltags hat das romantische Schäferidyll allerdings nichts zu tun. Es geht im Kern um Heiratsangelegenheiten, um eine gewitzte Tochter, die ihre Mutter an der Nase herumführt und letztlich ihren Willen durchsetzt. Lise heiratet ihren geliebten Colas – zwar arm, dafür charmant –, und nicht wie vorgesehen den Sohn eines wohlhabenden Winzers.
Die Selbstbehauptung einer jungen Frau, der Sieg der Liebe über das liebe Geld – das versprühte zur Zeit der Uraufführung vielleicht einen Anflug revolutionären Geistes. Auf ein heutiges Publikum wirkt das Ballett-Libretto verstaubt, und der Humor verschroben. Mit dem 36-jährigen belgischen Choreografen Jeroen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Maya Künzler
Spotlight: Yolanda Morales
Was für ein Thema für den zeitgenössischen Tanz: Im vierten Teil seines Romans «2666» – «Verbrechen» – beschreibt Roberto Bolaño die Leichenfunde von Ciudad Juárez, die zu einer seit Anfang der 1990er-Jahre im Norden Mexikos andauernden Mordserie gehören. Yolanda Morales’ Arbeit «2666» bezieht sich, neben dem brutalen Femizid, der in...
tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion Sofie Goblirsch, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Arnd Wesemann Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin Tel. +49-(0)30-254495-20, Fax -12 redaktion@tanz-zeitschrift.de www.tanz-zeitschrift.de
Gestaltung & Art direction Marina Dafova
Anzeigen /...
Für sein neues Tanzstück «Casablanca» hat sich der Choreograf Ed Wubbe vom gleichnamigen Filmklassiker mit Ingrid Bergman und Humphrey Bogart aus dem Jahr 1942 inspirieren lassen. Das passt zu seiner Vorliebe für Goldene Zeitalter, der er seit einigen Jahren frönt: Mit Bezügen zu Rembrandt, Vermeer oder der legendären Tulpenmanie hat Wubbe mit «Holland» bereits das...
