Behr, Wilton, Horn: «All You Need is Less»
Die Stühle sind schon gefallen. Nebel wallen. Es liegt Endzeitstimmung über der Szene, wenn Zölligs Kompanie die schwarze Bühne zwischen den Brandmauern des Staatstheaters entert. Der ehemalige Pina-Bausch-Tänzer Rainer Behr beschwört in seinem neuen Tanzstück «Denn Bleiben ist nirgends» das Schwankende, Gleitende, Flüchtige der menschlichen Existenz und findet dafür suggestive Bilder.
Während im Orchestergraben Gavin Bryars mahlerhaft elegische Musik fließt, rammen oben die Tänzerinnen und Tänzer die Stühle wieder in den Boden, klatschen sich mit ihren Händen auf die Oberarme, schreien auch mal ihre Namen ins Leere: Starke Gesten der Selbstbehauptung, die mit den langen Kleidern der Tänzerinnen, den mal wie Schwingen ausgebreiteten Armen und auf den Stühlen waagerecht wabernden Körpern kraftvoll kontrastieren.
Aber dann ergreift der Sog ins Endliche die Tanzenden doch. Geraten sie wie auf schwankendem Schiff in Schieflage, ziehen die anderen mit sich von einer zur anderen Seite. Selbst der Tanzboden ist nicht mehr sicher, wird unterkrochen und wölbt sich. Am Ende steigen sie alle unter Ablegen der Kleider hinab in den Abgrund. Aber auch dort ist kein Bleiben. Die Ersten erklimmen ...
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Tanz Januar 2022
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Andreas Berger
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