Noverre dankt ab

Der Namensgeber, ein berühmter Ballettreformer, wäre stolz gewesen auf diesen Verein. Doch die 1958 gegründete Stuttgarter Noverre-Gesellschaft hat ihre Auflösung beschlossen. Ein Aus für die Förderung junger Choreografen?

Tanz - Logo

Würde der Vorgang, von dem hier zu berichten ist, in der freien Wirtschaft spielen, dann wäre die Rede von einer Marke, die viel wert ist. Doch im Kulturbereich denkt niemand daran, seine Erfindungen zu schützen. Im Gegenteil: Dass seine Idee, junge Choreografen zu fördern, weltweit kopiert wurde, hat Fritz Höver stolz gemacht. Heute findet man im Spielplan jeder Kompanie, egal wie klein oder groß sie ist, ein solches Format.

Ob nun «Out of the Box» drübersteht wie bei Gauthier Dance oder andernorts «Junge Choreografen»: Immer wird da Fritz Hövers Erkenntnis Rechnung getragen, dass Choreografen nicht vom Himmel fallen, sondern auf Erden eine Bühne brauchen, auf der sie erste Schritte ausprobieren können.

Dieses Anliegen hat die 1958 von Fritz Höver in Stuttgart gegründete Noverre-Gesellschaft seit Jahrzehnten zum Motor ihres Vereinsdaseins gemacht. Über viele Jahre hinweg wurde die Marke «Noverre» durch die Debüts von späteren Stars der Szene wie William Forsythe, Uwe Scholz, Jiří Kylián, John Neumeier, Christian Spuck oder Marco Goecke zum Gütesiegel. Oft kopiert, blieb doch ein wesentlicher Unterschied. Und der macht verständlich, warum es dazu kommen konnte, dass ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2018
Rubrik: Traditionen, Seite 58
von Andrea Kachelrieß

Weitere Beiträge
Bonn on tour: «Story Water»

Als Emanuel Gat 2016 «Sunny» auf die Bühne brachte, lud er zum ersten Mal einen Musiker ein, live zu spielen: François Przybylski, Ex-Tänzer der eigenen Kompanie, und heute unter dem Künstlernamen Awir Leon ein erfolgreicher Alchimist der Töne. Doch das war nur ein Vorspiel zur aktuellen Kreation: «Story Water», ein Live-Dialog zwischen einem choreografischen und...

Düsseldorf on tour: «Danser Casa»

Mehr als zwanzig Jahre lang hatten Mourad Merzouki und Kader Attou nicht mehr gemeinsam choreografiert. Vor etwa zehn Jahren wurden beide Direktoren eines Centre Chorégraphique National, gründeten ihre eigenen Festivals, produzierten mit ihren Kompanien beeindruckende, abendfüllende Stücke. 2017 kam der Vorschlag, mal wieder die Köpfe zusammenzustecken und...

Leipzig: «Toot»

Tanz ist ein ganz anderes Ausdrucksmittel als Sprache. Das zeigt auch dieser Doppelabend des Leipziger Balletts, das damit seine 2015/16 begonnene Kooperation mit dem Schauspielhaus fortsetzt. Hier regiert die Form, nicht die Handlung. Die Niederländerin Didy Veldman reaktiviert dafür zwei Choreografien, zunächst das fließend gestaltete halbstündige Opus «See Blue...