Mensch, Maschine, Magie

Die VR-Produktion «kinesphere» am Staatstheater Augsburg.

Tanz - Logo

Sonnenlicht bricht sich in dem pfeilergestützten, kellerartigen Raum, der von futuristisch anmutender Musik erfüllt ist – klassische Zitate, untermalt von pulsierendem Piepen, surrealem Sirren und drängenden Dissonanzen. Sechzehn Tänzerinnen und Tänzer stehen teils versteckt hinter den Pfeilern, teils laufen sie in Paaren ein, dehnen breitbeinig ihre Arme, kreisen mit den Hüften. Ihre Körper scheinen choreografische Botschaften zu formulieren und gruppieren sich um eine Person, die Ausschau hält, aber wie schützend gemeinsam niedergedrückt wird.

Schließlich wird sie am Ende dieser ersten Sektion von «kinesphere» – «Underground» betitelt – mitgeschleift. Die Musik für das vierteilige Stück stammt vom Klangkünstler Lilijan Waworka. Sie schwingt durch das noch unrenovierte Reinigerhaus des Augsburger Gaswerks – eine beeindruckende Location, die wie die Ruine einer Kathedrale anmutet. Über drei Geschosse erstreckt sich hier eine großartige, lichtdurchflutete Architektur in Skelettbauweise aus der späten Gründerzeit: das ebenerdige Grundgeschoss, darüber die Halle, in der früher die Reinigerkästen standen, sowie die eindrucksvolle Dachkonstruktion. Das Industriegebäude wurde zwischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2021
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 52
von Eva Maria Fischer

Weitere Beiträge
Termine 10/21

Deutschland 
Augsburg Theater
 Premiere «Dimensions of Dance. Part 3»: «Whim» von Alexander Ekman, «Rain Dogs» von Johan Inger und «Satisfaction» von Ricardo Fernando. martini-Park, 3., 8., 17., 22., 24. Okt. Premiere «Creations», Kammertanzabend mit Stücken der Gastchoreografen Patrick Delcroix und Mauro Astolfi. brechtbühne im Gaswerk, 29.–31.Okt.; www.staatstheat...

Geteilte Blicke

Als wir uns Anfang der 1990er-Jahre kennenlernten, warst Du für mich die Frau mit der Kamera auf der Schulter, die Tanzaufführungen landauf, landab filmte. Was ich nicht wusste: dass Du selbst getanzt hast. Bis 1978. Da bist Du ausgestiegen. Du warst 28 Jahre alt. Warum? Mit 28 hatte ich schon fast ein ganzes Tänzerleben hinter mir – angefangen hatte ich mit fünf...

Streitbar

Mit Menschen kann er. Was vermutlich damit zu tun hat, dass Adil Laraki mit sechs Geschwistern aufwuchs mitten in der quirligen Hauptstadt Marokkos. In Rabat war er umgeben von Internationalität. Nahezu alle Kulturinstitute der Welt befanden sich im Umkreis seines Zuhauses. Das Theater war um die Ecke. Als kleiner Junge schlüpfte er oft unbemerkt mit fremden...