«Minus 16» von Ohad Naharin, Gauthier Dance; Foto: Regina Brocke
Mega Israel
Trotz der programmatisch gesetzten Farbigkeit – bei welchem deutschen Tanzfestival sieht man sonst Stepp und Cirque Nouveau einträchtig nebeneinander? – ziehen sich durch das «Colours International Dance Festival» in Stuttgart doch bestimmte Themenstränge. Bei der zweiten Ausgabe im Sommer 2017 war das neben einem breiten Spektrum weiblicher Choreografen und Eigenkreationen von Pina-Bausch-Tänzern vor allem Tanz aus Israel.
Bereits das erste Festival vor zwei Jahren hatte der Initiator und künstlerische Direktor Eric Gauthier mit Ohad Naharins «Kamuyot» eröffnet. Neben dem Gaga-Übervater und Hofesh Shechter waren in diesem Jahr auch die jungen Choreografen Nadav Zelner und Shahar Binyamini vor Ort, denen man in «Meet the Talents» eine Woche lang bei der Arbeit zuschauen konnte. Binyamini ließ in seinem kurzen Stück eine unheimliche, «posthumane» Matrix aufmarschieren, und Zelner, der Einzige ohne den Hintergrund des großen Impulsgebers Batsheva Dance Company, jagte im fröhlich-eklektizistischen «Bloom» die Tanzgeschichte durch den Mixer. Obendrein gastierte Hillel Kogan mit seiner scharfzüngigen Integrationssatire «We love Arabs».
Wut der Jugend
Den lauten, in Rock und Techno ...
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Tanz November 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 9
von Angela Reinhardt
Demokratie als Kreisbewegung. Als geometrische Figur, in der sich ein ununterbrochenes Wechselspiel zwischen Ballung und Vereinzelung, Konfrontation und Zirkulation, Passivität und Partizipation, Gewaltenteilung und Gewalt vollzieht. Dabei entspinnt sich unaufhörlich jenes Drama, das dem so komplizierten wie störanfälligen «Verhältnis des Menschen zur Herde» eigen...
Simon Mayer stammt aus einem kleinen Ort im Innviertel, aus dem er auszog, um die Welt des zeitgenössischen Tanzes zu erobern: als Tänzer, Choreograf, Performer, Schauspieler, Musiker und Bühnenbildner. Zurückgekehrt ist er, um sich mit Fragen zu beschäftigen, die durchaus aktuell sind und auf verschiedensten Wahlplakaten stehen könnten: «Was ist Heimat? Wem gehört...
Sie ist die «Queen of Screams». Kein Ballett von Erna Ómarsdóttir, das nicht auch eine Kreisch-Operette wäre. Schmerzensschreie, Lustschreie, Angstschreie, Freudenschreie, Zornschreie, Stimmerkundungsschreie, Monsterschreie, Babyschreie, Irrenschreie ... Ómarsdóttir lehrt mit ihrer Iceland Dance Company die Kunst der Differenzierung auch beim Geplärr, und das ist...
