Martin Nachbar
Martin Nachbar ist ein Vertreter des zuletzt viel geschmähten Konzept-Tanzes – und sicherlich einer der klügsten. Mehr noch: Der in Berlin lebende Choreograf hat immer wieder den Beweis erbracht, dass ein Konzeptualist nicht nur gewitzt, sondern witzig sein kann. Martin Nachbar ist hungrig auf Wirklichkeit – und er stiftet Nachbarschaften, indem er zusammendenkt, was nicht erkennbar zusammengehört. Zum Beispiel Kartografie und Choreografie. Er selbst behauptet, ihn interessiere vor allem das, was zunächst unmöglich erscheint.
Aus dieser Unmöglichkeit ergebe sich dann das Finden einer Methode. Ihm beim Aufstellen seiner Methoden zu folgen, ist schon ein intellektuelles Vergnügen. Und das Erproben eben jener Methoden an unterschiedlich begrenzten Wirklichkeiten ist immer ein Wagnis – und erreicht also ein kritisches Stadium. Eben um diese Krisen – die Krise von Wahrnehmung, die Krise von Sprache, die Krise von Bewegung – geht es Nachbar. Und um das Überlisten des Denkens, das Überrumpeln des Körpers. Davon berichtet das choreografisch-kinetische Logbuch in «Mnemonic nonstop». Jochen Roller und Martin Nachbar sind für dieses Projekt auf Wanderschaft gegangen. Im Jahr 2005 haben die ...
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