Maciej Kuźmińskis/Adi Salant «DWA – ZWEI»
Programmhefte nehmen den Mund oft ziemlich voll. Sie vor der Vorstellung zu lesen, ist nicht immer eine gute Idee. Der Tanzabend «Dwa – Zwei», dessen mehrsprachiger Titel daher rührt, dass sich das Theater Osnabrück in dieser Spielzeit dem «Partnerland» Polen widmet, ist ein Beweis dafür. Das Heft verheißt, dass es in Maciej Kuźmińskis Choreografie «Beginningend» um Polen geht, zumal um Stanisław Dróżdż, einen Wegbereiter der polnischen Konkreten Poesie. Auch in Adi Salants «Position A» werde Polen thematisiert.
Wer das vorab liest, wartet auf diese Bezüge, sucht nach ihnen. Die Folge ist Ernüchterung, denn Konzeptanspruch und Bühnenwirklichkeit stimmen nur ansatzweise überein. Wer das Heft ignoriert, bevor sich der schwarze Vorhang hebt, geht dagegen ohne Irritation nach Hause, denn «Dwa – Zwei» hält auch so genügend Schauwerte und Denkanstöße bereit.
Das Ensemble zeigt Kohäsion und Kraft, Genauigkeit und Gefühl, schauspielerische Intensität; tänzerisch ist der Abend eine Freude. Die feinsinnige Kontrastierung von Individuum und Kollektiv, von Selbst- und Fremdbestimmung, gibt Auskunft darüber, wie der Mensch seelisch und intellektuell beschaffen ist, wie eigenständig er handelt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2024
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Harff-Peter Schönherr
DER ERBE …
Am Ende glich er der grauen Eminenz, als welche Dieter Gräfe manche sahen, auch äußerlich aufs letzte Barthaar – so als wäre er endlich eins geworden mit der Rolle, die ihm das Schicksal vorbehalten hatte. Denn eigentlich wollte er Reedereikaufmann werden. Aber im Fahrwasser John Crankos, dessen Privatsekretär er eher aus einem Zufall heraus geworden...
Die Freiheit führt das Volk. Manches an Marcos Moraus «Overture» am Staatsballett Berlin erinnert an Eugène Delacroix’ ikonografisches Revolutionsgemälde «La Liberté guidant le peuple» von 1830: Ein Bauwerk will erichtet werden, eine griechische Säule, was man nicht überinterpretiert, wenn man darin den Anfang von antiker Demokratie und abendländischer Kultur...
«To stand in justice» – eine Faust breit Abstand zwischen den Füßen im aufrechten Stand und den Radius der ausgestreckten Arme – diesen Raum für sich zu beanspruchen, ist gerecht, wie nora chipaumire den Studierenden der Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin ziemlich am Anfang ihrer Valeska-Gert-Gastprofessur erklärt hat. Die Professur hatte sie im...
