ludwigshafen on tour

Shaun Parker: «Am I»

Tanz - Logo

Dunkelheit, dann eine Leinwand, darauf ein roter Punkt, pulsierend wie ein Herz. Plötzlich taucht Shantala Shivalingappa aus der Finsternis auf, eine zierliche, beinahe gotisch-sakrale Figur: «Es war einmal, bevor die Zeit Zeit war, da war alles nichts, und das alles, das nichts war, begann.» So hebt «AM I» an, die jüngste Produktion des australischen Choreografen Shaun Parker, dessen Company sich beim Wolfsburger «Movimentos»-Festival erstmals in Deutschland präsentierte.

Im Gepäck hatte sie die existentielle «ICH»-Befragung, die Bilderrätsel an Bilderrätsel reiht und dabei die Evolutionsgeschichte aufs Hinreißendste mit allen erdenklichen Schöpfungsmythen kreuzt. Bis Shivalingappas letzte Worte verklungen sind: «Alles ist eins, alles verbunden.»

Eine gute Stunde lang wandert das Publikum mit den acht Akteuren über die Kontinente von Anatomie, Genetik, Religion, Psychologie und Soziologie ohne es recht zu merken. Denn Parkers Inszenierung verwandelt abstrakte Zusammenhänge in ungemein sinnliche Allegorien. So erhellt nach Shivalingappas Auftakt ein Lichtblitz den Raum. Aus dem allmählich abflauenden Scheinwerferschock schälen sich vier schwarze Silhouetten, deren Armballett die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
magdeburg

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Gonzalo Galguera mit einer religiösen Thematik befasst. In «Credo», «Requiem» und «Heilig!» hat er das in der Vergangenheit gleich mehrfach getan, und diese Erfahrung kommt ihm insofern auch in «Stabat Mater» zugute, als er auf alle Äußerlichkeiten verzichten kann. Seine Maria steht nicht am Kreuz, wie es der lateinische Text...

Europa-Perspektive: Tim Renner

An einem stürmischen Tag im Jahr 2002 steht der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, auf dem Dach des neu erbauten Hauses der Universal Group an der Spree und gibt die Parole aus: «Von jetzt an gilt das Ziel, dass wir Europas Musikhauptstadt werden.» Tim Renner, seinerzeit Chef der Universal-Filiale, steht daneben und denkt: «Träum weiter, Junge!»....

Impressum & Vorschau

im dezember: william forsythe
ist zurück. Die Stadt Frankfurt ehrt den Choreografen bis zum 31. Januar mit der Ausstellung «The Fact of Matter» im Museum für Moderne Kunst. Genau 30 Jahre lang wirkte Forsythe stilbildend in der Main-Metropole. Zuletzt verließ er seine Kompanie, die nun als Dresden Frankfurt Dance Company mit Jacopo Godani eigene Wege geht. Neue...