Europa-Perspektive: Tim Renner
An einem stürmischen Tag im Jahr 2002 steht der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, auf dem Dach des neu erbauten Hauses der Universal Group an der Spree und gibt die Parole aus: «Von jetzt an gilt das Ziel, dass wir Europas Musikhauptstadt werden.» Tim Renner, seinerzeit Chef der Universal-Filiale, steht daneben und denkt: «Träum weiter, Junge!».
Heute ist Renner Kulturstaatssekretär des Wowi-Nachfolgers Michael Müller, residiert in einem ballsaalgroßen Büro in Mitte und hat die Uhr über der Eingangstür stets im Blick bloß keine Zeit verlieren! Denn inzwischen peilt er selbst das europäische Führungsziel an für den Tanz, made in Berlin, und die Tanzstadt Berlin überhaupt. «Träum weiter, Junge!», möchte man sagen. Die Gemengelage in der Kapitale ist unübersichtlich und droht mit der Ankunft von Chris Dercon plus Boris Charmatz plus Mette Ingvartsen an der Volksbühne (siehe S. 22) noch unübersichtlicher zu werden.
Fakt ist: Eine Expertenanhörung im Kulturausschuss ergab kürzlich, dass das dezentrale, seit Jahr und Tag verfolgte Tanzförderkonzept immer weitere Baustellen aufreißt. Jede Menge Choreografen und Tänzer beiderlei Geschlechts strömen an die Spree oder sind ...
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Tanz November 2015
Rubrik: Menschen, Seite 32
von Dorion Weickmann
Was haben wir da gerade gesehen? Renaissance-Tanz, Modern Dance, Postmodern Dance? Auf jeden Fall eines jener seltenen Stücke, die zugleich höchst anregend sind, zeitweise lustig, und die einen am Ende dennoch ziemlich verwirrt zurücklassen. Was sollen all die drolligen pseudo-historischen Kostüme bedeuten? Schwer zu sagen.
Andere Fragen sind drängender. Etwa, wie...
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Gonzalo Galguera mit einer religiösen Thematik befasst. In «Credo», «Requiem» und «Heilig!» hat er das in der Vergangenheit gleich mehrfach getan, und diese Erfahrung kommt ihm insofern auch in «Stabat Mater» zugute, als er auf alle Äußerlichkeiten verzichten kann. Seine Maria steht nicht am Kreuz, wie es der lateinische Text...
Die Sache mit der choreografischen Ambition nahm Eric Gauthier mit seiner Truppe schon immer etwas lockerer, Hauptsache ein Abend macht Spaß. Mit der liegenden Acht, dem mathematischen Zeichen für Unendlichkeit, hat der Kanadier nun die perfekte Mischung aus modernem Tanz und guter Show gefunden; kein Wunder, dass der Programmtitel «Infinity» wie das neue Album...
