Lin Hwai-Min: «Formosa»

Produktion des Jahres: Das Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan besingt die zwiespältige Schönheit seiner Heimat.

Tanz - Logo

Es ist die vorerst letzte Choreografie, die Lin Hwai-min für sein Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, 1973 in Taipeh begründet, geschaffen hat: keine Bilanz seiner bisherigen Arbeit, sondern eher ein Abbild seiner Heimat, symbolkräftig überhöht und zugleich doch so bodenständig wie der vorgestellte Tanz. Durch Erfahrungen mit Ballett, Martial Arts und Meditation geprägt, lässt er es an Eigenart nie fehlen.

Zunächst ganz einfach, verdichten sich die einzelnen Gänge nach und nach zu einer bewegten Gruppenaktion, aus deren Mitte heraus Chen Mu-han auftaucht, die einer Aborigines Community entstammt. In dunkle, erdige Farben gehüllt, gibt sie den Worten Gestalt, die aus dem Off zu hören sind. Gedichte, gelegentlich von sanften Flötentönen umgaukelt, die die zwiespältige Schönheit von «Formosa» widerspiegeln, wie Lin Hwai-min seine heimatliche Hommage betitelt. So nannten einst portugiesische Seefahrer die «schöne Insel», die heute Taiwan heißt: ein Ort, der hier zum Sinnbild wird für eine Welt der Widersprüche.

 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Saison 2018/19: the winners are, Seite 128
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Goyo Montero

Heimat ist für mich dort, wo meine Familie und meine Arbeit sind. Meine Familie befindet sich in Nürnberg und Madrid, aber meine Arbeit findet auf der Bühne und im Ballettsaal statt. Für die vergangenen zehn Jahre war meine Arbeits-Heimat das Staatstheater Nürnberg. Heimat ist für mich ein Ort, an dem ich mich geborgen fühle. Und das war für mich, seitdem ich mit...

Gehen oder bleiben?

«Wir brauchen dringend einen Ort, um unseren Bestand (Kostüme, Bühnenbilder, Mobiliar, also unsere ganze Geschichte der letzten 30 Jahre) für einen vorübergehenden Zeitraum von sechs Monaten einzulagern. Wenn Sie von einem kleinen Schuppen, Zimmer, Haus oder einem geschlossenen Raum wissen, mit Alarmsicherung und zu einem menschenfreundlichen Preis, dann helfen Sie...

Sehnsucht nach Geborgenheit

Heute über Heimat zu sprechen, heißt häufig über ihren Verlust zu reden. Die Sehnsucht nach heimatlicher Zugehörigkeit tritt ein, wenn man sie gerade zu verlieren scheint oder bereits verloren zu haben glaubt. «Heimatverlust» bewirkt einen Phantomschmerz, meist bleibt er unerlöst. Die äußere Heimat – der Boden, der Wald, das Land, der Raum – ist faktisch ja nach...