Liam Mower

«Billy Elliot» ist Kult. Jetzt kommt das Original-Musical vom Londoner West End nach Hamburg. Aber was wurde aus dem allerersten Billy-Darsteller?

Tanz - Logo

Am 11. Mai 2005 wurde das Musical «Billy Elliot» am Londoner Victoria Palace Theatre uraufgeführt. Ich saß im Parkett, hatte eine ausgezeichnete Sicht auf die Bühne und das mit Promis reichlich bestückte Publikum. Was ich noch nicht wusste: Ich sollte einem der bemerkenswertesten Bühnenereignisse meiner Kritikerlaufbahn beiwohnen.

Am Schluss seiner erhebenden Tanz- und Gesangsnummer «Electricity» legte der 13-jährige Liam Mower in der Titelrolle eine Reihe so makel- wie müheloser Grands pirouettes à la seconde hin und schloss diese triumphal mit einer perfekten vierten Position ab. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als das Publikum in geradezu frenetische Begeisterungsstürme ausbrach. Fünf Minuten lang dauerte der beispiellose Applaus. Er galt einem schmächtigen Jungen, der die ungestümen Ovationen scheinbar seelenruhig entgegennahm. So berauschend dieser Moment auch war, befiel mich doch eine Sekunde lang so etwas wie vorausschauendes Bedauern: Kein zukünftiges Theaterereignis, dachte ich, würde für diesen Jungen jemals wieder an das heranreichen, was er soeben erleben durfte. Dies schien der Karrierehöhepunkt zu sein, von dem jeder Künstler träumt! Und doch war dieser Tänzer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2017
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Mike Dixon

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackte Körper

Nackte Körper und moderne Performance – diese Kombination scheint auf vielen Bühnen fast so etwas wie ein Muss zu sein. Warum, habe ich lange nicht verstanden. Bis ich – eine von 15 gecasteten Amateurinnen – bei einem Tanzprojekt auf der Bühne des Staatstheaters Darmstadt stand. In Nadia Beugrés Choreografie «Legacy» tanzen alle Frauen mit nacktem Oberkörper. «Muss...

Jugend

Aufführung: Junior Ballett Zürich

Choreografischer Nachwuchs – so etwas ist in der deutschsprachigen Schweiz quasi unbekannt. Da scheinen junge Leute, die mit Gruppen von Tänzern was Gescheites anfangen können, eine Gattung zu sein, die es erst noch zu entdecken gilt. Einer, der das tut, ist der Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck. Sein Junior Ballett gibt im...

Ulm: Roberto Scafati «La Sinfonia», Gustavo Ramírez Sansano «2 and 1 for Mr. B», «El Beso»

«La Sinfonia del Beso», «Die Sinfonie des Kusses» lautet der Obertitel des Abends, der die programmatisch im Grunde nicht vereinbaren Extreme einer elegisch-politischen Totenklage mit einem jener Rausschmeißerballette verbindet, die mit fröhlichen Pointen den Übermut des Tanzes feiern. Dass dazwischen eine Hommage an Mr. B steht, die mit Balanchine so gar nichts zu...