Jared Gradinger

Er legt eine hoch erotische Szene hin. In «is maybe» presst er mit geschlossenen Augen seine Hand in das Gesicht von Angela Schubot. Der unbedingte Wille des Tänzers nach Entgrenzung trifft auf körperlichen Widerstand. Das raubt auch dem Betrachter fast den Verstand. Inniger geht’s nimmer.

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Jared Gradinger und Angela Schubot stehen sich gegen­­über und schließen die Augen. Bis zum Ende ihrer knapp einstündigen Tanzperformance «is maybe» im Juni im Berliner HAU werden sie sie nicht öffnen. Eyes wide shut. Kein Blick fällt auf den anderen. Denn Blicke schaffen Distanz. Die beiden sehnen sich nach grenzenloser Nähe. «is maybe» kreist um den Wunsch, vom eigenen Ich erlöst zu ­werden. Zu zarten Ambient-Klängen dringen die Tänzer tiefer und tiefer in die Sphäre reiner Empfindung.

Erschöpft, aber glücklich sei er, sagt Gradinger im Gespräch.

Er wirkt wie jemand, der gerade eine intensive Erfahrung gemacht hat, für den sich eine Tür geöffnet hat. «Wir hatten eine zweieinhalbjährige Forschungsphase hinter uns. Unsere Körper waren so hungrig, als wir mit den Proben zu ‹is maybe› begannen.» Mit geschärften Sinnen bewegen sie sich aufeinander zu, zuerst ist alles nur Tasten, nicht mal Anfassen. Eine hoch erotische Szene. Dann presst er seine Hand in ihr Gesicht, sie drückt ihn mit ihrem Gewicht zu Boden. Beide japsen wie Wrestler bei ihren eisernen Umklammerungen. Was so zärtlich begann, wird zum aggressiven Akt.

Auch die schwebenden Skulpturen von Mark Jenkins zeigen die ...

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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Performer des Jahres, Seite 123
von Sandra Luzina

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