Jahrhundertleben
Wenn sie während des «Festival Internacional de Ballet» zu ihrem Logenplatz im ersten Rang des Gran Teatro von Havanna schritt, oft am Arm von Fidel Castro, sprang das Publikum von den Sitzen. Minutenlanger Applaus brandete auf. Wem er mehr galt, dem Máximo Líder oder der Primaballerina assoluta, blieb ungewiss. Ohnehin wurde Alicia Alonso als heimliche First Lady der Inselrepublik angesehen, war ungleich populärer als Castros eher versteckte Gattin.
Wenn -Alicia, wie jedermann sie nannte, nach der Vorstellung – wegen der überauswärts fixierten Hüften bei zwei Begleitern untergehakt – dem Theaterausgang zustrebte, bildeten die Zuschauer ehrfürchtig eine Gasse, klatschten ihr begeistert zu. Alicia war schon zu Lebzeiten ein unverrückbares Denkmal ihrer selbst. Jeweils an einem Festivalnachmittag lud sie uns ausländische Journalisten zum Essen ein, war elegante Gastgeberin und beredt charmante Gesprächspartnerin auch bei bisweilen heiklen Fragen. Noch im vorgerückten Alter stellte die seit Langem Erblindete neue Choreografien vor, so 2006 ihre großangelegte Version von Mussorgskys Zyklus «Bilder einer Ausstellung» mit originalen Dekorationen bedeutender kubanischer Künstler.
Was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 31
von Volkmar Draeger
Ein Heimspiel, gewiss, aber was für eins! In St. Gallen hat Marianne Fuchs vor gut einem halben Jahrhundert in dem jungen Schlittschuhläufer die künftige Tänzerpersönlichkeit erkannt. Jetzt kehrt Martin Schläpfer an den Ort seiner Entdeckung zurück, um am 2. Dezember den «Großen St. Galler Kulturpreis» entgegenzunehmen. Schläpfer wird sich für die nur alle drei...
Für mich ist Billy Forsythe der ultimative Klassiker. Ein wahrer Erbe von Petipa und Balanchine. Sein Verständnis der reinen klassischen Linie, ihrer Wurzeln, Strukturen und ihres Vokabulars sowie dessen, was «klassisch» wirklich bedeutet – all das hat ihm die Freiheit gegeben, die Regeln zu brechen und diese Sprache weiterzutreiben als irgendwer anders. Ich bin...
Ein Schulterschluss macht sich immer gut, und wenn er grafisch so attraktiv und abwechslungsreich gestaltet ist wie bei der diesjährigen Berliner Blickfang-Kampagne, wird sich der erhoffte Erfolg zumindest zeitweilig einstellen. Rund 20 Tänzer und Tänzerinnen teilen sich stellvertretend für das gesamte Tanzspektrum der Hauptstadt die sieben Collagen, die im Kino,...
