israel galván

Flamenco-Traditionalisten halten ihn für den Untergang, die Jugend feiert ihn als revolutionären Erneuerer. Beides ist ihm ziemlich egal. Er tut einfach, was er will

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Jerez de la Frontera liegt 15 Kilometer von der südspanischen Atlantikküste entfernt und gilt als Geburtsort des Flamenco und des Sherry, zweier Kulturgüter, auf die die Einwohner des Städtchens ausgesprochen stolz sind. Es ist Ende Februar. Vor dem malerischen Bahnhofsgebäude steige ich in ein Taxi, und der Fahrer vermutet ganz richtig, dass ich zum «Jerez Festival» angereist bin, einem renommierten Kulturereignis, das sich alljährlich den spanischen Tanzformen im Allgemeinen und dem Flamenco im Besonderen widmet.

Als ich dem Taxifahrer eröffne, dass ich Journalistin bin und regelmäßig über das Festival berichte, fragt er mich unverblümt: «Und Sie nennen das, was da im Theater aufgeführt wird, Flamenco?» – Auftakt zu einem Dialog, den ich schon öfters geführt habe. «Ja, warum denn nicht?» Rasch erklärt mir der Mann, dass er Gitano sei und außerdem ein Verwandter von Antonio El Pipa, einem der international erfolgreichsten Flamenco-Tänzer aus Jerez, und dass dem Flamenco eine ganz bestimmte Form und Struktur zugrunde liege, die nicht verletzt werden dürfe, da es sich sonst nicht mehr um Flamenco handle. Viele Gitanos halten an einer streng traditionellen und engen Definition von ...

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Tanz August-September 2015
Rubrik: Menschen, Seite 19
von Justine Bayod Espoz

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