hunter
Marineblaue Hose, T-Shirt, ein feiner azurblauer Streifen schlängelt sich hüftabwärts bis zu den Füßen. Gebeugt sitzt die Frau an einem Tisch aus Plexiglas, rücklings zum hereinströmenden Publikum, das die Tribüne der zweiten Spielstätte des Berliner Hebbel-am-Ufer-Theaters entert und von dort aus den Blick auf einen zentral gehängten, weißwollenen Projektionsteppich heftet.
Eine Kamera überträgt auf das Textil, womit die Frau sich beschäftigt: Kinderfotos wandern durch ihre Hände, ein Indianer mit Federkopfputz, die Porträts unbekannter Gesichter und Bilder der Flower-Power-Ikonen Yoko Ono und John Lennon – mit Wallemähne überm nackten Popo. Die Frau beschneidet die Aufnahmen oder fackelt ihnen die Ecken ab, manche bearbeitet sie mit Nagellack, dann pinnt sie eine nach der anderen auf eine kreisende Etagere. Der Karneol-Ring an ihrem Finger tanzt dabei wie ein Irrlicht. Kaum ist der Drehteller rundum bestückt, spießt die Frau die nächsten Schnappschüsse auf lange Nadeln und stelzt sie damit ein Stockwerk höher. Bis zuletzt keine plane Collage, sondern ein dreidimensional bestücktes Bilderkarussell rotiert. Was der Topografie unseres Gedächtnisses entspricht, das nicht eine ...
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Tanz Mai 2014
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
_____deutschland
On tour
Cedar Lake Contemporary Ballet aus New York tanzt «Orbo Novo» von Sidi Larbi Cherkaoui: Schweinfurt, Theater der Stadt, 10., 11. Mai; «Grace Engine» von Crystal Pite, «Tuplet» von Alexander Ekman und «Necessity, again» von Jo Strømgren: Fürth, Stadtheater, 15.–18. Mai; Bonn, Theater, 22. Mai; «Violet Kid» von Hofesh Shechter, «Tuplet» von...
Das Verhältnis zum Schmerz: Aus Sicht der Tänzer ist es ein fortwährender Dialog. Die «gute» Seite des Schmerzes gestattet dem Körper, an seine Grenzen zu gehen, ohne Schaden zu nehmen, indem der natürliche Abwehrmechanismus des Körpers respektiert, nicht ignoriert wird. Untersucht man das Verhältnis von Schmerz und Tanz, so ist es hilfreich, die jüngste Definition...
Anfangs droht eine junge Frau in den Fluten eines reißenden Stroms zu versinken. Wir sitzen oder stehen direkt davor, am linken und am rechten Ufer. Gern würden wir ihr Beistand leisten, sie vor dem Ertrinken bewahren. Doch die Konventionen des Theaters sprechen dagegen. Das Mädchen kämpft. Wir bleiben hilflos. Ihr Tod ist gespielt, ihre Nacktheit echt. Der Fluss,...
