Hannover: Jörg Mannes «Henry VIII»
Der junge Henry Tudor ist ein Bild von einem Mann – groß, sportlich, dazu noch gebildet und künstlerisch ambitioniert. Er ist noch keine 18 Jahre alt, als er zum englischen König gekrönt und damit zu Heinrich VIII. wird. Wie Macht und Machtmissbrauch aus dem jungen, strahlenden Hoffnungsträger einen 160 Kilo schweren, mörderischen Tyrannen machen, zeigt Jörg Mannes in seiner Neuschöpfung «Henry VIII». Denis Piza tanzt die Titelrolle, aber weil die Figur ein so komplexes Innenleben hat, stellt der Choreograf ihr einen gewissen «H» an die Seite.
Manchmal im Einklang mit Henry, manchmal im Widerspruch zu ihm, wird dieser «H» mitunter sehr akrobatisch getanzt von Orazio Di Bella.
Mit Macht hat auch der immense Frauenverschleiß zu tun, mit dem der Herrscher in die Geschichte eingehen wird. Und doch ist jede Beziehung anders, wie Mannes wunderbar herausarbeitet. Die erste, arrangierte Hochzeit mit Katharina von Aragon zeigt einen selbstbewussten und kraftstrotzenden König, dessen Brautwerbung allerdings eher höfisch-verhalten als emotional ausfällt. Der eheliche Vollzug ist in erster Linie dem Fortbestand des Hauses Tudor geschuldet, der Akt wird sportlich auf einem riesigen Holzbrett ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manche Fans des Staatsballetts Berlin werden wohl beide vermissen – nicht nur den Ex-Intendanten Vladimir Malakhov, sondern auch den Solisten Leonard Jakovina. Als Tänzer sind beide beispielsweise in Mauro Bigonzettis «Caravaggio» in Erinnerung, Malakhov ging zudem als prägender Kopf des 2004 formierten Staatsballetts in die Berliner Tanzhistorie ein. Beiden Herren...
Iris van Herpen ist von Beruf, was man landläufig eine Fashion-Designerin nennt. Aber solche Allgemeinplätze greifen bei ihr ähnlich kurz, als würde man einen Architekten wie Frank Gehry als Häuslebauer bezeichnen. Die junge Niederländerin erschließt der Mode neue Dimensionen. Sie begreift den Körper und seine Hülle als eine wild wuchernde Einheit: zu extravaganten...
Die Tanzstadt Köln war mal sehr wichtig. Nicht wegzudenken für alles, was sich in Deutschland modernisierte, emanzipierte, internationalisierte im Ballett und im modernen Tanz. Auch ausschlaggebend für das, was später als zeitgenössischer Tanz abseits der Stadttheater gedieh (tanz 5/13). Doch das wegweisende Kölner Tanz-Forum verschwand 1996. Der Versuch, mit...
