Foto: Sidarth Sarcar
Hamburg: Mandeep Raikhy «Queen-size»
Zwei Männer auf einem Bett, auf allen vier Seiten vom Publikum umringt. Die beiden kuscheln, halten Händchen, immer wieder unterbrechen auch aggressive Beckenstöße ihre Zärtlichkeiten. Sie starren einander an, wild, blicken dann ebenso wild ins Publikum. Und genau das macht die ohnehin schon intime Situation noch verstörender für die Betrachter: Beim Zusehen vom Objekt der eigenen voyeuristischen Begierde ertappt zu werden, lässt Schauende und Angeschaute zu Komplizen werden.
Den Blick umzukehren – mit diesem Kunstgriff macht der Choreograf Mandeep Raikhy das Publikum seines Stücks «Queen-size» zu Mitwirkenden.
Der Stücktitel spielt auf das Format des Bettes an, hier eines traditionellen indischen Sitz- und Liegemöbels namens Charpai, dessen Holzrahmen mit Seilen oder Stoffgurten bespannt ist. Charpais begegnet man häufig in gemeinschaftlich genutzten Räumen, in Innenhöfen oder auch auf Dorfplätzen. So verwundert es nicht, dass auch Mandeep Raikhys Charpai gewissermaßen zur Bühne wird, auf der Gespräche stattfinden, die Politisches ebenso wie Performatives umspannen. Und die um Gesetze und Vorbehalte kreisen, mit denen das Thema «Homosexualität» in Indien noch immer konfrontiert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Ranjana Dave
Ben J. Riepe
Seine Tanzkunst passt perfekt in den Rahmen der Kunsthalle Düsseldorf, die derzeit ihr 50-jähriges Jubiläum begeht. Dort entsteht gemeinsam mit der Künstlerin Kitty Kraus sein jüngstes Werk, «Carne Vale!», im Anschluss an seine Recherchereise zum Goethe Institut im brasilianischen Salvador de Bahia. Anlass für ein Porträt dieses ungewöhnlich freien...
Lea ist Lea Moro. Ihr Nachname fehlt dem Titel, ebenso wie ihr Gesicht dem Stück fehlt. Sie zeigt es nicht. Sie ist ein Körper ohne Stirn. Das zu tanzen ist allein ein Kunststück: knapp eine Stunde sich so zu bewegen, dass niemand sieht, wer da tanzt. Sie meidet den Blick, damit wir besser gucken, wie sie ihre Arme über ihre sich hebenden Schultern legt, die sich...
Newcomer: Volmir Cordeiro
Wie wäre der Blick zu tanzen? Das ist die Frage hinter dem Quartett «The eye the mouth and the rest» des 30-jährigen Brasilianers Volmir Cordeiro. «Was mich wirklich interessiert, ist der Moment, in dem das gegenseitige Sich-Anschauen zu einer Art respektlosem Akt wird», sagt er. Auf der Bühne zusammen mit Marcela Santander Corvalán,...
