Grenzenlose Pressefreiheit?
Choreografen haben ungeahnte Kräfte. Sie brauchen nur einen Sack mit Hundekot zu schmeißen und schon ist die ganze Pressefreiheit im Robidog. Das könnte glauben, wer im Februar die Kommentare zur Hundekotattacke Marco Goeckes auf eine Tanzkritikerin las (siehe auch S. 44). Echt jetzt? Im Ausraster eines Theaterschaffenden gegen die Kritik einen Angriff auf die Pressefreiheit zu beklagen, ist wohl ein bisschen übertrieben – und auch ein bisschen demagogisch. Die Pressefreiheit ist ein hehres Gut.
Selbst wenn wir schon sehr lange in einer Demokratie leben und am eigenen Leib nichts anderes erfahren haben, müssten wir uns eigentlich vorstellen können, dass sich das auch ganz anders anfühlen kann, in Russland oder Iran zum Beispiel. Wir können da und dort vielleicht von Behinderung unserer Arbeit reden – mit Einschränkung unseres demokratischen Rechts auf freie Meinungsäußerung hat dies wenig zu tun. Doch wie steht es eigentlich mit dieser Freiheit auf Meinungsäußerung? Wo beginnt, wo endet sie? Darf ich als Journalistin schreiben, was immer mein Herz begehrt? Oder gibt es Schranken?
Gehen wir von einem frei erfundenen Beispiel aus – jegliche Ähnlichkeit mit realen Ereignissen wäre ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Lilo Weber
PICASSO X DANCE
Dass Pablo Picasso ein epochaler Künstler war, steht außer Frage. Dass er als Mensch schwierig war, ist ebenfalls unstrittig. Aber wie groß war eigentlich der Einfluss des 1973 gestorbenen Malers, Grafikers und Bildhauers auf den Tanz? Arte widmet Picasso am 2. April einen ganzen Thementag mit rund 16 Stunden Programm, und hier startet um 23:40 auch...
Kaum vorstellbar, dass dieser Mann jemals schläft. Seit er Ende Februar 2022 als Zeichen seines Anti-Kriegs-Protests Moskau Knall auf Fall verließ und eine mit dem Bolschoi bereits halb erarbeitete «Bach»-Kreation in den Wind schrieb, ist Alexei Ratmansky scheinbar pausenlos unterwegs – digital oder analog. Mit der neu gegründeten, in Den Haag ansässigen...
Bridget Breiner, in einem Gedicht endet Johann Wolfgang von Goethe mit der Aufforderung «Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent». Können Sie seinen Zorn nachempfinden?
Ich hatte als Tänzerin und Choreografin nie das Gefühl, dass ich jemanden totschlagen möchte. Es ist eher das Bedürfnis, mich wieder vom Boden aufzurichten. Mein Problem mit Kritik – nicht...
