Trier
Wieder am 25. März 2017 in Trier
Am Anfang ist allein ein Porträt Dore Hoyers zu sehen. Und auch zwischen den einzelnen Szenen ihres Zyklus lässt sich die legendäre Ausdruckstänzerin zumindest ahnen, die sich in der Silvesternacht des Jahres 1967 voller Verzweiflung vom irdischen Dasein verabschiedet hat. Eine Filmaufzeichnung der «Afectos Humanos» macht ihre Vergegenwärtigung möglich. Aber selbst im Rahmen einer Bühnenadaption hat ihr Schatten noch immer etwas Übermächtiges.
Sich vor ihm zu behaupten, ist alles andere als einfach, und Renate Graziadei muss denn auch ihre ganze Kunst auf den einen Augenblick konzentrieren, um nicht hinter dem «Vor-Bild» völlig zu verschwinden.
Die Mitbegründerin von LaborGras tanzt am Theater Trier anstelle von Susanne Linke, die 1987 «Afectos Humanos» erstmals in ihrer Rekonstruktion vorgestellt hat, und sie interpretiert sie auf ihre Art: die «Liebe» nicht gestenreich bekniend, aber sonst mit einer ganzheitlichen Intensität und gestalterischen Größe, die allein der Bedeutung des Originals angemessen sind. Dabei wirkt Renate Graziadei eher schmächtig. Ihr Erscheinungsbild hat etwas Asketisches. Aber vielleicht ist es gerade das, was zu einer Hohepriesterin passt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Hartmut Regitz
Es gibt einen einstimmigen, parteiübergreifenden Stadtratsbeschluss. Jetzt ist Geld da, viel Geld: 50 bis 70 Millionen für den Ausbau, 2,3 Millionen Euro Jahresetat, 29 neue Stellen. Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) hat eine schöne Definition parat für das, was er «Kreativpark» nennt, und wo im Jahr 2020 zwei tipptopp sanierte Hallen, genannt...
Corps rebelles
Einmal quer durch das 20. Jahrhundert wandern und dabei sechs tänzerische Themenkreise inspizieren – die Ausstellung im Musée des Confluences in Lyon macht’s möglich. Das Haus hat ein halbes Dutzend Künstler damit beauftragt, die einzelnen Sektionen zu kuratieren. So ist etwa Louise Lecavalier für das Virtuosentum zuständig, Raimund Hoghe (siehe...
Zum dritten Mal, und das ist eine kleine Sensation, wird ein Ausländer Ballettchef in Russland. Nach Marius Petipa und Nacho Duato darf nun der Franzose Laurent Hilaire ein großes russisches Ensemble leiten: das Ballett des Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters in Moskau, wo man eine Vorliebe für psychologisches Erzählen pflegt. Tänzer...
