Gegendruck

Joy Alpuerto Ritter ist überall zu Hause: im Ballett, im Hip-Hop, in den Kampfkünsten. Beim Spaziergang mit der Choreografin über Berlins ehemaligen Flughafen spricht sie über ihre Wut, über Rassismus und über den Druck, authentisch wirken zu müssen.

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Joy Alpuerto Ritter, wir sind hier auf dem Tempelhofer Feld mitten in Berlin. Ich fand das tiefe Ausatmen eben herrlich, als wir beide aus der engen Herrfurthstraße in diese Weite hinaustraten.
So ein unverstellter Horizont. Das ist jedes Mal ein ganz unerwartetes Gefühl, obwohl ich hier schon so oft gewesen bin. Man gewöhnt sich derart schnell an die Berliner Enge, dass mich die freie Landschaft immer wieder überrascht. Drehen wir eine Runde um den alten Taxiway?

Gerne.

Heißt das, öfter mal die Perspektive wechseln? 
Als Tänzerin? Unbedingt. Ich bin halt neugierig. Bei mir hat sich die Lust am Perspektivwechsel einfach festgesetzt. Erst Folk Dance, dann Ballett, dann zeitgenössisch, Hip-Hop. Egal, ob das eine Tanztechnik oder eine ganze Kultur war, ich habe mich da immer richtig reingeworfen. Man lernt ja physisch, man lernt Technisches, und es hat auch etwas Menschliches, denn man tanzt eben nicht allein. Ich habe immer neuen Input gesucht. Und habe mich jedes Mal auch nur auf einen Stil fokussiert und versucht, ihn zu lernen und zu mastern.

Lernen heißt, sich etwas anzueignen, etwas Positives. Heute assoziieren wir beim Wort Aneignung eher Raubkunst, eine Übergriffigkeit ...

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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 21
von Arnd Wesemann

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