Enrico Ticconi; Foto: Leon Eixenberger

Freiburg: «Rasp your soul»

Kat Válastur «Rasp your soul»

Tanz - Logo

Verletze deine Seele. Schwer. Beleidige sie. Bis aufs Blut. Wie auch immer man den Titel der jüngsten Arbeit der griechischstämmigen Choreografin übersetzen will – in Kat Válasturs Worten handelt es sich um ein Solo für einen «Humanoiden mit sensibler Haut». Diesen setzt sie auf der Bühne aus wie eine gewaltig klaffende Lücke zwischen Mensch und Kunst. Ein einsamer Solist, Enrico Ticconi mit angeklebtem Mikro an der Wange, kläfft in den vorsichtig dämmernden Raum hinein. Ein Hund. Ein Wolf.

Ein Löwe zuletzt, der seine schlanke Tänzerpranke hebt und den einsamen LED-Scheinwerfer über sich brüllend zum Schweigen bringt. 

Enrico Ticconi ist der zornige Gebieter über das kleine Reich, das ihm der Konzeptkünstler und Olafur-Eliasson-Schüler Leon Eixenberger zubilligt, eine Matte aus Teppichfliesen, modern nur in den 1970er-Jahren, ein Tanzteppich aus fahlbunten Puzzleteilen. Darauf liegen ein paar gekochte Bambusstöcke, an denen Ticconi kauen- wird wie ein Primat, ein Mensch, der sich seines Menschseins entkleidet und nichts findet als die Gefangenschaft der Bühne – zur Uraufführung war es das HAU3 in Berlin –, um angestarrt zu werden als einer, der im eleganten Wiegeschritt sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2018
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Peter Martins

Die Welle von Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe im US-amerikanischen Kongress sowie im Medien- und Unterhaltungssektor hat nun auch den langjährigen Chef des New York City Ballet und der angegliederten School of American Ballet erfasst. Am 1. Januar hat der gebürtige Däne seine Posten niedergelegt. Wie die «Washington Post» berichtete, ging der Demission...

Pursuit of Happiness

In jeder ordentlichen Bar gibt es eine Barre. Sie sieht aus wie im Ballettsaal: eine an der Theke befestigte Querstange. Barre und Bar, die eine hat tatsächlich mit der anderen zu tun. Die Bar ist die Stütze für Trinker, von ihnen gern auch als Stützpunkt bezeichnet. Ebenso stützt die Barre den Tänzer. Und so sieht man auf dieser Bühne eine Bar im Western-Saloon...

Wien: «Apollon Musagète»

Dies ist ein sinnliches Skandalstück für sechs Damen, die statt Kleidern einfach nur Tattoo tragen und noch etwas weiter gehen, als es William Forsythe 1983 tat. Damals hat der Choreograf in «France/Dance» George Balanchines «Apollon musagète» zerlegt, jenen berühmten Halbstünder, der 1928 für die Ballets russes entstand und als Geburtsstunde der Neoklassik gilt....