Flügel der Freiheit
Es waren die Augen, die in Pavel Mikuláštíks Tanzstück «La Strada» nach Federico Fellinis Kultfilm ans Herz gingen: Rafaële Giovanola tanzte als Gelsomina jenes arme Kind, das von der Mutter an einen Gaukler verscherbelt wird, der es am Seil hinter sich herzieht und für seine Zirkusnummern dressiert. Und es gelang Giovanola, das Publikum zwei Stunden lang als Kindfrau magisch zu fesseln. Mit der eindrucksvollen Produktion startete Mikuláštík vor 25 Jahren sein Choreografisches Theater an der Oper Bonn.
Heute sitzt Giovanola mir bei einer Tasse Kaffee gegenüber.
Ihre Augen sind voller Lebensfreude, und aus der Tänzerin ist längst eine der aufregendsten Choreografinnen der freien, zeitgenössischen Tanzszene im deutschsprachigen Raum geworden. Seit mehr als 22 Jahren entwickeln sie und ihr Dramaturg und Ehemann Rainald Endraß unter dem Label CocoonDance immer wieder überraschend innovative Produktionen. Endraß, der intellektuell-philosophische Kopf im Team, sitzt bei dem Gespräch etwas zurückversetzt an ihrer Seite, hält sich aber im Hintergrund. Mit der Forschungsreihe über die Denkfigur des «ungedachten Körpers» hat eine neue Phase für CocoonDance eingesetzt: Giovanola ist mit ihren ...
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Tanz Mai 2022
Rubrik: Menschen, Seite 34
von Bettina Trouwborst
«Schlimme Geschichten» seien es, die die Kinder erzählen, sagt Tadeusz Matacz, Leiter der Stuttgarter John Cranko Schule. Wie in allen großen Ballettakademien sind auch hier Kinder aus der Ukraine untergekommen, genauer gesagt Ballettschüler, die hier ihre Ausbildung fortsetzen können. Manche wurden von den Eltern gebracht, manche kamen ganz alleine im Bus viele...
Am 24. Februar weckte mich ein Anruf meines Vaters:
Was machst du? Ich schlafe natürlich. Wieso? Putin hat den Krieg erklärt. Ich setze mich im Bett auf.
Scheiße. Zeitgleich ruft auf der anderen Leitung meine Freundin an:
Weißt du’s schon? Ja. Danke, dass du anrufst. Im Bett sitzend, blicke ich aus dem Fenster auf den eintönig grauen Morgenhimmel und lausche....
Sie sind noch da, die sich an den Achseln kratzenden Affen, die anmutig schleichende Pantherkatze, das raufende Wolfsrudel. In der Darstellung durch menschliche Performer*innen sind die Tiere kinderleicht zu erkennen, wie man das eben erwartet von einer tänzerischen Adaption des «Dschungelbuchs». Auch Namen wie Mowgli und Baghira, Balu und Kaa haben der Choreograf...
