Eszter Salamon «Wars and Dances» in Brüssel
Vermutlich hat auch im Zeitalter von Cyber- und Drohnenkriegen jeder Soldatentrupp seine Rituale, wenn er in den Krieg zieht. Tänze dürften es eher nicht sein. Denn Kriegstänze sind ein Fall fürs Museum – das konstatiert auch Eszter Salamons neue Performance «Wars and Dances»: Gewalt-Stimulanzien als ästhetische Relikte, die im Kunstraum wieder und wieder zelebriert werden können als bloß formale Kopien, ohne den eigentlichen Zweck und seine feindseligen Folgen.
«Transformation» lautet die Zauberformel, die in Salamons klug irritierender Long Durational Performance tatsächlich alles Böse aus den Kriegstänzen tilgt.
Ein Frauentrio zieht mit erstarrten Gesichtern, leeren Augen und verkrampften Körpern in Zeitlupe durch den Raum. Zwei Tänzer drehen sich wie Derwische in Trance. Eine Gruppe trommelt mit vorgebeugten Oberkörpern die Füße siegesgewiss auf den Boden zum afrikanischen Stammesritual. Es sind Tänze aus dem Jemen, Tschad oder Haiti, Fragmente von Kalari und Capoeira. Bereits 2014 hat Salamon für ihre Arbeit «Monument 0 – Haunted by Wars» (tanz 1/15) rund 60 Kriegstänze aus Asien, Afrika und Südamerika im Internet recherchiert und aus ihnen eine abendfüllende Performance ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Nicole Strecker
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