Editorial 8-9/23
Radrennen wie die Tour de France lassen sich als hochmobile Bewegungskunst begreifen – reine Massenchoreografie und eine Art «durational performance» in Serie. Zu der gehören die vielen Zuschauer, die bei einer Tour-Etappe aus allen Himmelsrichtungen zur Rennstrecke strömen. Teilweise schon 48 Stunden vor der Vorbeifahrt der Profisportler rollen lange Reihen von Caravans die Anstiege hoch. Haben die Menschen am Steuer einen guten Platz zum Übernachten mit tollem Blick auf die Strecke gefunden, wird ausgeschert. Und abgestellt.
Das Fahrer-Peloton selbst ist ein lebendiger Organismus, der den Gesetzen von Schwerkraft, Aerodynamik und Muskelkraft gehorcht. Gleich 22 verschiedene Choreografen (sprich: Teams) erzeugen mal konkurrierende, mal sich gegenseitig verstärkende Bewegungsmuster. Jedes Team hat jeden Tag einen präzisen Plan. Die einen wollen so schnell wie möglich den großen Ensemblekörper verlassen und als Solisten das Ziel erreichen. Andere verlassen sich auf die athletische Extraklasse ihrer Vortänzer. Das sind bei Flachetappen die Männer mit den dicksten Muskelpaketen. Die können kurzzeitig eine Rennmaschine auf 75 oder 80 km/h beschleunigen. Damit diese Fähigkeit zum Sieg ...
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Tanz August-September 2023
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Tom Mustroph
Ruhrgebiet
RUHRTRIENNALE
Die Spielorte sind ungewöhnlich, die Produktionen auch: Die «Ruhrtriennale» gehört zu den Festivals, auf denen sich immer Entdeckungen machen lassen. In diesem Jahr ist hier Mette Ingvartsens knalliger «Skatepark» (S. 42) unterwegs, etwas später wird ein Kindheitstrauma bearbeitet – in Gisèle Viennes Uraufführung «Extra Life». Mit Amanda...
Die Choreografin, Regisseurin, Performerin und Sängerin Claire Cunningham, Aktivistin für die Belange Behinderter und Trägerin der Ehrung des «Deutschen Tanzpreises 2021» (tanz jahrbuch 2018; tanz 11/16 und 10/21) wurde zum Wintersemester 2023/24 auf eine «Einstein-Profil-Professur» in Berlin berufen. Mit solchen Professuren für zunächst fünf Jahre unterstützt die...
Sie hat für Kurt Jooss‘ Folkwang Tanzstudio choreografiert, das Wuppertaler Ballett übernommen und in «Tanztheater Wuppertal» umbenannt und schließlich die Welt mit ihrer radikalen Fantasie aufgerüttelt. Aber im Vorfeld hatte Pina Bausch die Juilliard School of Music besucht und mit Choreografinnen und Choreografen in New York zusammengearbeitet. Ihre Form des...
