Der Klassiker

Mehr als fünfzig Ballette, von denen etliche noch immer die Theater füllen: Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs und seines Urhebers, Marius Petipa, mit dem sich auch die Tanzmoderne auseinanderzusetzen hatte?

Wer diesen Redner eigentlich eingeladen hatte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. War es Organisator Alfred Schlee, Fritz Böhme oder doch Rudolf von Laban selbst? Für viele der Anwesenden stellte das Auftreten dieses im französischen Exil lebenden russischen Ballett-ästhetikers beim 1. Deutschen Tänzerkongress 1927 in Magdeburg jedenfalls eine Provokation dar. Sein Thema sorgte für Unruhe, wo doch nach all den Jahren des Streits die Schar der modernen deutschen Tänzer endlich in Einigkeit versammelt sein sollte.

André Levinson (1887 – 1933) aber sprach über «Gedanken- und Formwelt des klassischen Tänzers». Und sein Vortrag endete keineswegs mit der Ausrufung des Ballett-Todes (wie dies Labans Mitstreiter Hans Brandenburg schon 1913 getan hatte). Ganz im Gegenteil. In Magdeburg, gleichsam auf feindlichem Boden, erneuerte Levinson einmal mehr jenes Credo, das er schon in Russland wiederholt abgegeben hatte: Das «alte» Ballett – und Levinson meinte damit das Œuvre Petipas – ist ein in sich geschlossener, in seiner Größe unantastbarer Kosmos. Dieses Credo ist im Laufe des 20. Jahrhunderts allgemeiner Konsens geworden. 

Levinson wusste sehr genau, dass er sich als Kongress-Gast ...

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Tanz März 2018
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Gunhild Oberzaucher-Schüller