Dear Museum
So richtig im Museum kommt das Publikum gar nicht an. Schon vor dem luftigen Foyer des Humboldt Forum biegt es links ab, in Richtung Saal 2 – die Studiobühne des umstrittenen Schloss-Nachbaus, der heute die einst in Dahlem untergebrachten ethnologischen Sammlungen beherbergt. Wie alle Kollektionen dieser Art sind sie unter postkolonialen Vorzeichen in die Kritik geraten – ein anhaltender Diskurs, der wissenschaftlich wie künstlerisch geführt wird und sich an diesem Freitagabend in der Black Box entfaltet. Stühle auf Bühnenebene, hinten eine kleine Tribüne.
Zwei Lichtkegel treffen auf Albert Ibokwe Khoza und Julia Zenzie Burnham, in jeder Hand einen traditionellen Gehstab der Zulu und Xhosa, «izinduku» oder «shoba» genannt, weite Gewänder, gelbe Kopfbedeckung. Geruhsam wechseln sie zwischen Posen, während sich das Publikum einrichtet. Im Hintergrund flimmert eine Projektion auf, ein Schreibtisch mit Briefpapier ist zu sehen, Khoza nimmt daran Platz. Es ertönt Khozas sanfte Stimme: «Dear Museum, the truth of the matter it seems everything was better when we were not telling the truth. My truth and your truth are in a race, a race, which of the truths will get to the finish line ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Komplizen, Seite 26
von Johanna Rau
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