Crystal Pite

Choreografin des Jahres: Ob in Paris, London, Zürich oder Toronto: Die Kanadierin verwandelt die krisenhaften Entwicklungen der Gegenwart in hochsensible Tanzgebilde – in Kunstwerke aus dem Geist der Humanität

Ein kontinuierliches Oszillieren zwischen formaler Strenge und künstlerischem Wagemut: So bezeichnet die kanadische Tänzerin und Choreografin das Spannungsfeld, in dem sich die geordnete Mehrstimmigkeit ihrer Kreationen entfaltet.

Pites Arbeiten für große Ensembles – «The Seasons’ Canon» etwa, das sie für mehr als 50 Tänzerinnen und Tänzer des Pariser Opernballetts kreierte, oder «Flight Pattern» fürs Royal Ballet London – erscheinen auf den ersten Blick wie kreative Variationen ein und desselben Themas: dynamische Ensemble-Konfigurationen, die -unterschiedlichen Timings und Rhythmen folgen und die kanonischen Regeln der Körper-Komposition deklinieren. Gerne erläutert Pite ihre choreografischen Intentionen anhand ihrer Stücktitel. «Pattern» und -«Canon» suggerieren bereits die Regeln geordneter Mehrstimmigkeit, denen sie ihr Bewegungsmaterial unterzieht. Sie beherrscht ihr Handwerk und weiß um den Effekt, den allein schon die kollektive Wucht eines großen, wogenden Ensembles erzielen kann, scheut aber auch nicht davor zurück, auf Althergebrachtes zurückzugreifen. Denn wer wagt es heute überhaupt noch, für ein großes Corps de ballet zu choreo-grafieren? 

Tatsächlich aber ...

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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Saison 2018/19: the winners are, Seite 130
von Silvia Poletti