Mario Schröder «Das Nibelungenlied»
Einen Komponistennamen sucht man auf dem Besetzungszettel vergebens. Anders als in Göteborg, wo Ulf Gadd 1983 seinen «Ring» vorstellte, anders als in Berlin, wo Maurice Béjart einen grandiosen «Ring um den Ring» als Vermächtnis hinterließ, anders als in Trier, wo sich zuletzt Birgit Scherzer unter dem Titel «Alles weiß ich: Alles» mit Ringmotiven beschäftigte, fußt das neueste Nibelungenballett nicht auf dem Mythos, wie ihn Richard Wagner im «Ring des Nibelungen» präsentiert.
Denn Mario Schröder greift zurück auf das mittelhochdeutsche «Nibelungenlied», das in Kiel nicht zu hören ist, um seinen konsequenten Verzicht auf Wagners Musikdrama zu rechtfertigen. Ohne Musik kommt aber sein Zwei-Stunden-Stück auch nicht aus. Von minimalistischem Jazz eines Nik Bärtsch über die «Alphabetisierung» einer Rede von George W. Bush durch Lenka Clayton bis hin zu Kompositionen von John Zorn und Aram Chatschaturjans «Säbeltanz» in der Verballhornung der Leningrad Cowboys findet sich immer ein Grund, so richtig zu tanzen.
Getanzt wird viel im «Nibelungenlied», auch wenn zunächst noch mehr gesprochen wird. «Haben Sie sich schon mal in jemanden verliebt, den Sie gar nicht kannten?», fragt Nina ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
1893 brachte Dr. Oetker das Backpulver an die Hausfrau. Bis dahin gab es nur Mehl. Zum ersten Mal wurde massenhaft ein Produkt angeboten, von dem die Kundinnen gar nicht wussten, dass es ihnen gefehlt hatte. Es war die Geburtsstunde des Marketings. Was für «Backin» funktionierte, klappt auch für den Tanz. Seit sich 4,8 Millionen Briten zum Tanz bekennen, genauso...
Es gibt 128 Automarken auf der Welt und ungefähr gleich viele Tanzkompanien in Deutschland. Die Zahl lässt sich bequem kürzen auf die erfolgreichen Marken oder auch ausweiten, wenn man die Eigenbauten mitzählt. «Das Auto» aber oder «der Tanz» – als Marke –, so etwas gibt es nur bei VW, seit dessen Marketingabteilung zeigen wollte, wer die wirkliche Macht am Markt...
Er wirkt an seinem Cello wie ein Tänzer, traut sich auf der Bühne, den Stachel seines Instruments in den Bauch der Tänzerin zu bohren. Willem Schulz ist ein Berserker, erotischer Partner des Tanzes, ein Nachdenklicher. Wir sind in einer ehemaligen Krankenhauskapelle in Bielefeld. Hier will er seinen Cellozyklus «Auferstehung VI» spielen. Er bittet um 24 Stunden...
