castelluccis zärtlichkeit
Gott sieht alles. Jesus blickt dich an. Nur du, wohin schaust du selbst? Wie fühlst du dich im Anblick von Alter, Schwäche und der Abhängigkeit von Fürsorge? Romeo Castelluccis «Sul concetto di volto nel figlio di Dio», zu Deutsch etwa: «Über das Konzept des Gesichts den Sohn Gottes betrachtend», stellt dem Zuschauer eindringlichere und unbequemere Fragen als weithin sonst üblich. Erst recht im Theater. Wie bequem auch immer der Zuschauer sich in seinem Stuhl einrichten mag, ihm wird schnell unwohl.
An der Bühnenrückwand hängt, mehrere Meter hoch, eine Reproduktion des Jesus-Porträts von Antonello da Messina aus dem 15. Jahrhundert aus der Londoner National Gallery. «Salvator Mundi» lautet der Titel. Der «Erlöser» hängt hier nicht am Kreuz, sondern ist im Vollbesitz seiner Kräfte. Sein eindringlicher, gütiger, auch beharrlicher Blick überwältigt. Doch Castelluccis Werk hat weder mit Kunstgeschichte noch Religion zu tun. Stattdessen eilt dem Abend, der in Avignon Premiere hatte, das Gerücht voraus, das von schwer zu ertragenden Prüfungen für das Publikum sprach. Es ginge um Fäkalien, deren Gerüche sogleich durch die Gerüchteküche dampften.
Castellucci redet natürlich lieber um den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2011
Rubrik: produktionen, Seite 14
von Thomas Hahn
Das «E» auf der Vertikalen ist verrutscht, das «O» leicht gestaucht, doch deutlich liest man «HOT» auf der Waagrechten dieses fragmentarischen Kreuzworträtsels aus einzelnen Buchstaben, das Àngels Margarit und Thomas Hauert als Papp-Buchstaben-Installation aufgebaut haben. Darauf projizieren sie ein Video, das sie zeigt, wie sie in einem großen Studio...
Und alle sagten ja. Jérôme Bel, Philippe Decouflé, Jean-Claude Gallotta, Michel Kelemenis, Abou Lagraa, Jean-Christophe Maillot und Angelin Preljocaj. Alle überliefern den Kindern des Projekts «Grenade» aus Aix-en-Provence Auszüge aus ihren Stücken, um das 20-jährige Bestehen einer ganz besonderen Tanzschule zu feiern. Als Josette Baïz 1992 ihre Groupe Grenade...
Wie oft hat man es uns schon erklärt: Es sei ein Drahtseilakt, die Kunst eines Künstlers mit seiner Biografie erklären zu wollen. Umso mehr schlingert man bei den Ohnos: Ihr Privatleben und ihre Performancekunst liegen so nah beieinander, dass es unmöglich ist zu sagen, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Es sind nur wenige Schritte von ihrer Küchentür zum...
